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The Vietnam War – Things fall apart

Dokumentation begleiten mich schon mein ganzes Leben lang. Früher als noch kleinerer Brillenträger und in meinem lieblings Pyjama, habe ich meist abends stundenlang vorm Fernseher gesessen und alle möglichen Wissenssendungen, Reportagen oder Dokumentation in mich hinein gesogen. Meist über Dinosaurier, Meerestiere oder das Weltall. Dinosaurier, weil es sie nicht mehr gibt. Über die Ozeane sagte man damals schon wie wenig darüber eigentlich bekannt ist und vor gewissen Meerestieren habe ich größten Respekt. Das Weltall mit seiner Unendlichkeit und der Vorstellung das auch wir daraus bestehen, ist faszinierend. Astronaut wollte ich im übrigen mal werden, für alle die es interessiert. Alles habe ich zwar nie verstanden, aber mit der Zeit wuchs im Kopf schon ein kleines Wissen an, was andere Bereiche mit Sicherheit wieder verdrängte. Die Faszination und Spannung von wirklich guten Dokumentationen haben ich nie verloren.

Mittlerweile sind einige Jahre ins Land gezogen und wie ich schon vorhin erwähnte: Hier und da weiß ich mit Sicherheit mehr, in anderen Bereichen sind aber große Lücken. So Beispielsweise beim Thema Vietnam und der damit verbundene Krieg. Durch diverse Filme und bereits gesehene Dokus ist die Thematik und der Tenor grundsätzlich bekannt gewesen, doch bewegte ich mich stets eher an der Oberfläche. Also stellte ich mir die Frage erneut: Warum und wieso? The Vietnam War ist eine 10 teilige US-Dokumentation von Ken Burns und Lynn Novick, welche über 30 Millionen Dollar kostete und über 10 Jahre bis zur Fertigstellung brauchte. Das allein sind schon beeindruckende Zahlen. Dazu kommt die Tatsache das ihr eine 1035 Minuten oder 17,25 Std. lange Informationsflut ohne Kompromisse erhaltet.

Meine persönliche Beziehung zu den USA ist eine nicht unbedingt herzliche und sehr kritische, weshalb es mich umso mehr reizte zu sehen, wie es eigentlich genau zum 30 jährigen Krieg in Vietnam kam. Warum sich die USA erneut in einen Krieg warfen, was Frankreich damit zu tun hat und welche Rollen Russland und China eingenommen haben.

Das Ganze ist durch und durch traurig, erschütternd und ließ mir viele Male den Atem stocken. Nicht das ich überhaupt irgendeinen Krieg gut heiße, aber der Zweite Weltkrieg war gerade vorüber und schon fanden die übrig gebliebenen großen Mächte einen neuen Hotspot um unzählige Leben und Familien zu zerstören. Mir fällt es wirklich schwer es in Worte zu fassen, da mir die gezeigten Bilder und Tonaufnahmen noch immer schwer im Magen liegen. Es ist unfassbar und unfasslich und überhaupt. Auch wenn die Zeit eine andere war, sofern man das als Entschuldigung zulassen möchte/kann – aber mit welchen Enthusiasmus beide Seiten erneut in den Krieg zogen um für Volk, Vaterland und der Propaganda Maschinerie der jeweiligen Seite im Hinter- und Vordergrund, ist mir nicht begreiflich. Nicht gestern. Nicht heute. Nicht morgen. Niemals. Verstehen ist die eine Seite, Verständnis eine ganze andere.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=3j-3Xi5BcKs

Der größte Pluspunkt neben den unzähligen Originalaufnahme ist die Tatsache, das eben nicht nur dieses typische und widerwärtige “america first” Geschwafel zu hören ist. Ihr seht und hört auch viele Soldaten der südvietnamesischen Armee, vom Vietcong und der Kriegsgegner. Wenn auch noch heutzutage scheinbar viele der Veteranen den Eindruck hinterlassen, es eben trotz des Wissens wieder zu tun. Beziehungsweise war ich einfach so oft schockiert mit welch glänzenden Augen über die unterschiedlichsten Einsätze berichtet wurde, das es mir bei manchen Gesichtern noch äußerst schwer fällt, es “ordentlich” einzuordnen und ob es verständlicherweise eher contra als pro gemeint war. Aber und das möchte ich ganz eindeutig betonen ist nur MEIN Eindruck – schließlich kenne ich nicht einen einzigen Menschen von den interviewten persönlich. Ich war nicht bei der Produktion dabei und sehe nur das Material auf der Flimmerkiste. Ebenso waren aber auch die Gesichter vor den Kameras, deren Wunden und Narben nie gänzlich heilen werden. Wo der Schmerz einen nicht mehr in die eigenen Fußstapfen von der Zeit davor treten lässt. Dessen Leid und Traurigkeit in den Augen und den Falten im Gesicht zu spüren ist.

Zusehen ist die Dokumentation in der Originalfassung und mit deutschen Untertiteln zur Zeit auf Netflix, kann aber auch auf DVD oder Blu Ray gekauft werden. Arte hat wohl eine gekürzte deutsche Fassung im Fernsehen ausgestrahlt, welche ich aber weder sah und aufgrund der Kürzungen kategorisch nicht empfehlen kann.

Was bleibt am Ende? Viel und allen voran kein gutes Gefühl, weil die Anspannungen und Unruhen zum Menschsein gehören, wie die Luft zum atmen. Das macht mich sehr traurig. Ein Bild, bzw. ein Video ist mir ganz besonders im Gedächtnis geblieben. Vielleicht sollte das nächste Staatsoberhaupt, egal welche Wurzeln er oder sie an den Füßen trägt, sich folgendes zu Herzen nehmen: Eine Kriegserklärung auf einem Massengrab.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=P5gOIcmvVSA

Es sind die Bilder und Aufnahmen, die unzähligen Worte, die damit verbundenen Geschichten und die Geschichte überhaupt, die The Vietnam War zu einem Meisterwerk machen und ich sie deshalb als sehr wichtig für die Weltgeschichte halte.

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