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God of War – Vertraut und doch kein Stillstand

Sich nicht in den eigenen Fußstapfen verlieren und nicht vom Ballast der Vergangenheit erdrücken lassen. Eine ungemein schwere Aufgabe die das Entwicklerstudio Santa Monica rund um God of War zu bewältigen hatte. Schließlich ist es eines der Aushängeschilder für Sony und der Marke PlayStation. Wie schafft man es also sich selbst treu zu bleiben, aber dennoch soweit zu gehen, ohne das man langjährige Fans verstimmt, Kritiker überzeugt nicht wieder Formel X missbraucht und dann auch noch Neulinge vor die Konsole fesselt? Nun, viele scheitern daran, andere versuchen es erst gar nicht und God of War gehört in die Schublade – absolut gelungen. Wie es den Damen und Herren schlussendlich gelungen ist, das versuche ich euch in diesem möglichst Spoiler freien Review zu erklären.

Weshalb Kratos so blass ist und weshalb dieses übergroße Tribal seinen Körper ziert – das Kapitel möchte ich ehrlich gesagt überspringen. Wenn ihr es nicht wissen solltet, so sucht auf YouTube nach den vielen God of War – Die Geschichte-Videos, stellvertretend dafür verlinke ich das unten eingebundene Video.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=Hwj1UC4wjvs

 

Nach dem Ende von God of War 3 auf der PlayStation 3 blieben viele Fragen offen; das natürlich ganz bewusst, denn so konnten sich die Sony Santa Monica Studios in aller Seelenruhe zurückziehen und mit Abstand das Franchise begutachten. Schließlich wurde spätestens nach God of War: Ascension erste Stimmen darüber laut, das sich erste Abnutzungserscheinungen zeigen. Wie macht man also weiter? Nun, Kratos war nach diesem jahrelangen Kampf müde und suchte Ruhe. Aus diesem Grund hat er seine Welt verlassen und fand einen neuen Platz im hohen Norden. Außer der Reichweite der Vergangenheit und ohne den Ballast der eigenen Taten. So dachte er zumindest. Er fand ein neues zu Hause und eine neue Familie, zeugte mit seiner Frau Faye einen Sohn namens Atreus und all das klingt schon fast zu kitschig. Gerade deshalb beginnt das Spiel so nicht, sondern mit dem Verlust der Frau und wie Vater und Sohn sich gegenüberstehen. Und während Zeit für Trauer sein sollte, so geriet das sicher geglaubte Heim in Gefahr. Beide, also Kratos und Atreus, machten sich früher als gedacht auf den Weg, um den letzten Wunsch der Frau und Mutter zu erfüllen: Ihre Asche soll auf dem höchsten Gipfel der neun Reiche verbreitet werden. Diese Reise wurde nicht nur ein Abenteuer, viel mehr eine Prüfung für die beiden. Eine Reise in die eigene Vergangenheit, der Herkunft, der Begegnung und des sich gegenseitig kennen lernen.

So komme ich zu meinem ersten positiven Punkt: Atreus ist und war nie eine Last. Der Bengel lernt verdammt schnell und auch wenn ihm hier und da geholfen werden musste, so artete es nie in ständigen Rettungsaktionen aus, die sich nervig wiederholten oder dazu führten das sich ein gewisser Hass ihm gegenüber aufbaute. Atreus war für mich stets eine Unterstützung und ein sehr gern gesehener Begleiter, den ihr sogar aktiv steuern könnt. Weshalb ich auch sehr gerne über das Kampfsystem sprechen möchte. Denn neben der nordischen Mythologie, einem stetigen Begleiter, so hat sich auch das ändern müssen, da die Perspektive eine komplett neue ist. War in allen bisherigen Teilen die feste Kamerperspektive und der damit verbundene Blick stets darauf gerichtet, was ihr sehen sollt, so habt ihr erstmals die freie Hand darüber wie ihr die Kamera dreht und schwenkt. Da fragte ich mich schon wie das genau funktionieren soll, denn God of War war keineswegs ein langsames Spiel. Das Spieltempo wurde etwas nach unten geschraubt, so auch die Gegnerzahl; im Gegenzug wurde die Wucht nach oben gedreht. Was ich damit meine? Der Hieb der Waffe wirkt derber, stärker oder eben wuchtiger. Nennt es so wie ihr es wollt. Dadurch ist der Perspektivwechsel dem Spiel aber sehr gut bekommen und God of War-Veteranen so wie ich es einer bin, fühlten sich nach sehr kurzer Eingewöhnung gleich sehr wohl und mit der alten Materie vertraut. Und auch wenn der Vergleich wirklich langsam nervt, aber auch ein God of War hat von Dark Souls gelernt und sich die positiven Aspekte vom Spiel abgeschaut und hervorragend ins neue GoW eingebettet. Das passt, ist stimmig und wirkte nie aufgesetzt oder kopiert. Ihr findet soviel God of War wie ihr erwartet oder es aus den vorherigen Titeln kennt.

Im übrigen lassen sich nun auch deutlich vielfältiger Fertigkeiten leveln, Waffen und sogar Rüstungen mit Upgrades erweitern und durch spezielle Runen lässt sich hier und da ebenfalls noch an den Werten drehen. Ein wenig mehr Rollenspiel, ohne zu tief abzutauchen.

Was haben wir bis jetzt? Wir hatten die neue Mythologie, den stetigen Begleiter, die neue Kameraperspektive und das damit verbundene Kampfsystem aus der Third-Person. Außerdem sprach ich kurz von den einzelnen Fertigkeiten die ihr verändern könnt, wobei Atreus selbst natürlich mit eingeschlossen ist. Was jetzt noch fehlt ist die Geschichte und der Gesamteindruck.

Geschichte und spoilerfrei passt nicht wirklich. Aber keine Angst, solltet ihr das Spiel noch nicht gespielt haben und wir sind eh schon spät dran mit dem Review, dann habt keine Sorge und ihr könnt entspannt weiterlesen. Ich werde euch nichts verraten oder vorweg nehmen. Worauf ihr euch grundsätzlich einstellen solltet, das habe ich ja schon einige Absätze weiter oben erwähnt. Was God of War aber für mich immer großartig gemacht hat, ist natürlich neben der epochalen Inszenierung, die nicht ansatzweise schwächelt im neuesten Ableger, eine Geschichte die sich an echten Mythen, Sagen und Namen orientiert, sich dabei aber auch einen gewissen Handlungsspielraum lässt. So war es bereits früher und so ist auch heute. God of War hat mir neben Zeus, Helios, Poseidon und wen nicht noch alles aus der griechischen, ich sage jetzt mal, Folklore näher gebracht und so ist es auch mit God of War aus dem Jahre 2018. Als Geschichtsunterricht im klassischen Stile ist es nicht zu sehen, aber den Santa Monica-Studios gelang es stets, das ich mich mehr und tiefer damit auseinandersetzte. Und auch bei dem Handlungsspielraum steckt genug Wahrheit im Produkt – wobei Wahrheit in diesen Fällen natürlich … na ja, eben Blödsinn ist. Ihr wisst was ich damit meine. Lange Rede und kurzer Sinn, die Geschichte ist verdammt gut erzählt! Sie macht Spaß, ich wollte stets mehr und konnte den Controller wirklich nur verdammt schwer aus der Hand legen.

Das war ihr hier lesen könnt ist durch und durch positiv und auch Stunden nach dem Ende bleibt mein Eindruck so. Denn auch da erfindet sich God of War neu, ihr habt eine viel offenere Welt und könnt noch weiter nach Beendigung der Hauptstory noch graue Flecke auf der Karte erkunden und erforschen. Das ganze hat keine Ausmaße wie ein The Witcher 3 oder The Legend of Zelda: Breath of the Wild, eher eine ziemlich riesengroße Open-Schlauch-Welt.

Solltet ihr eine PS4 besitzen so gehört das neue God of War definitiv zu einem der Spiele, die gespielt werden müssen. Es ist ein Triple-AAA-Titel wie er im Buche steht. Fett produziert, wahnsinnig gute Musik, fantastische Grafik und ein wohl gedeckter Tisch für Fans. Und Neulinge sollten ebenfalls von diesem Festmahl schmausen und zugreifen! God of War ist ganz, ganz, ganz wunderbar großes Kino mit viel Herz und Seele.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=K0u_kAWLJOA
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One comment

  1. […] Wie gut God of War ist, könnt ihr in unserem Review gerne nachlesen: God of War – Review. […]

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