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Forgotton Anne – Der vergessene Film von Disney

Was macht einen guten Disney-Film aus? Sind es etwa die charmanten Charaktere, die in ihrer Blase lernen, über sich hinauszuwachsen und immer wieder mit Konflikten in Berührung geraten, die sie auf Anhieb nicht alleine lösen können? Sind es die malerischen Umgebungen, die einen Disney-Film von anderen Animationsfilmen unterscheidet? Oder geht es doch um die immer währende Prämisse: Gut gegen Böse?

Es ist wohl ein bisschen von allem. Und genau dieses Bild zeichnet sich auch bei Forgotton Anne ab.

Alltäglich verlieren und vergessen wir Gegenstände. Manchmal schluckt die Waschmaschine einen Socken und manchmal vergisst ein amerikanischer Polizist, wo er seine Waffe hingelegt hat. Kann ja mal passieren…

In Forgotton Anne sind aber genau diese Gegenstände die Stars der Show. Wird etwas in der realen Welt vergessen, erscheint es in einer Traumwelt wieder. Dort herrschen jedoch nicht ganz so träumerische Umstände. Der oberste Befehlshaber, nebenbei ist er die Vaterfigur für die Protagonistin Anne, führt ein strenges Regime. An einer Auffangstation angekommen, müssen sich die Forgottlings, also die Sachen, die vergessen wurden, melden. Dort wird dann geschaut, wie arbeitsfähig jene sind und eingeteilt. Manche arbeiten als Polizisten, andere als Maler und wieder andere müssen in die Fabrik.

Die Geschichte startet mit Anne, die mit ihrem Ziehvater der einzige Mensch unter den Forgottlings ist. Sie ist die Hüterin, die Frieden wahren soll, wenn auch manchmal mit Gewalt.

Eines Nachts ereignet sich ein Unfall, der sich schnell als Angriff der Rebellen entpuppt. Als Hüterin marschiert Anne also los, um der Sache auf den Grund zu gehen und die Rebellen zu schnappen.

Auf ihrer Reise muss sie immer wieder kleinere Jump’n’Run-Einlagen hinlegen und Rätsel lösen.

Die Rätsel sind dabei in einfache Sequenzen unterteilt: Entweder müssen wir Gegenstände miteinander kombinieren oder Lichtkugeln an der richtigen Stelle platzieren.

Die Jump’n’Run-Einlagen bestehen aus unterschiedlichen Sprüngen mit unterschiedlichen Geräten. Dies mag sich nun unspektakulär anhören, doch spätestens wenn man mal wieder einen Sprung nicht hinbekommen hat, weil die Steuerung so hakelig ist, ist man auf spektakulären 180°.

Mindert das den Spielspaß? Nicht unbedingt.

In Forgotton Anne geht es um die Geschichte. Immer wieder wird man mit den Konsequenzen konfrontiert, die doch einige schwierige Entscheidungen mit sich bringen. Die Charaktere sind sehr eindimensional, da sie meist entweder gut und schrullig oder böse und schrullig sind. Eine Charakterentwicklung ist rein bei der Protagonistin auszumachen, deren Weltbild erschüttert wird. Doch dies muss nicht schlecht sein. Im Gegenteil: Durch den starken Wandel der Protagonistin und dem Gleichbleiben der Nebenakteure wird die Welt umso düsterer dargestellt und zeigt ein erschreckendes Weltbild. Was sehr kitschig und harmlos beginnt, zeigt sehr schnell die Konsequenzen von Tod und Zerstörung.

Mit seinen 6 Stunden Spielzeit zeigt Forgotton Anne eine schöne Abwechslung. Je länger ich es gespielt habe, desto mehr wollte ich auch spielen. Anfängliche Bedenken gegenüber der Steuerung und der doch etwas abstrakten Handlung konnten nach spätestens einer Stunde vergessen werden. Das Spiel bot dabei immer wieder neue Mechaniken oder zumindest erweiterte. Die Geschichte hat sehr viele Wendepunkte und die Welt ist sehr lebendig. Ab einem gewissen Punkt im Spiel gibt es auch Backtracking. So bitter der Nachgeschmack des Wortes auch ist, geht das Spiel in einem gesunden und kurzen Maße damit um. Man trifft auch hier auf Neuerungen, doch um ehrlich zu sein, waren die letzten zwei Stunden sehr zäh, da man das Ende ab da genau erahnen konnte und es sich leicht gezogen hat. Das Ende an sich, ist aber ein mehrmaliges Durchspielen auf jeden Fall wert.

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