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Warum “Avengers – Infinity War” kein Mehrteiler ist.

Für den nachfolgenden Text spreche ich eine ausdrückliche SPOILER WARNUNG aus! Als Avengers: Infinity War angekündigt wurde, sollte der Film ursprünglich “Infinity War – Part I” und” Infinity War Part II” heißen. Später wurde dies jedoch verworfen und Marvel entschied, das man “Avengers 4” als eigenständigen Film veröffentlicht, anstatt ihn bloß den zweiten Teil der großen Story nennen.

Man kann jetzt darüber streiten, ob dies einfach nur eine clevere Geschäftsentscheidung war. Wie dem auch sei, „Infinity War“ befindet sich nun in einer Situation wo er zeigen muss, dass er auf eigenen Beinen stehen kann und gleichzeitig einen Cliffhanger bieten, der uns zeigt, das noch nicht ganz Schicht im Schacht ist. Natürlich ist das jetzt nichts Neues. Schon früher hat man nicht vor einer Mehrteiler Saga zurückgescheut. “Der Herr der Ringe” und “Der Hobbit” haben beide eine fortlaufende Geschichte, die sich erst mit dem letzten Teil auflöst. Die Star Wars Saga läuft immer weiter und keiner zuckt auch nur mit der Wimper, wenn der Abspann von “Die Letzten Jedi” über die Leinwand rollt und der Widerstand nur noch aus einem trüben Häufchen Elend besteht. Wenn Marty McFly in “BTTF 2” um die Ecke schwingt, wissen wir, dass wir ihn über Umwege in den Wilden Westen und ins Jahr 1985 zurückbringen müssen. Die Story ist nicht zu Ende aber das Publikum fühlt sich auch nicht ums Ende betrogen. Und der Grund dafür ist dass es möglich ist eine fortlaufende UND vollständige Geschichte zu erzählen. Die Beispiele die ich aufzähle, können auf eigenen Beinen stehen. Es geht um Charaktere, Action und fortwährenden Konflikt, aber auch um Konflikte die gelöst werden. In “The Fellowship of the Ring” hat Frodo gelernt, das er als Ringträger allein weiterziehen muss. Die Gemeinschaft muss sich trennen, da sie sich sonst gegenseitig zerstören würde. Frodo, der sich vorher auf eine ganze Gruppe stützen konnte, muss sich nun ganz allein auf Sam verlassen. Aragorn lernt, das er stark genug ist, dem Ring zu widerstehen, und nicht so schwach wie seine Vorfahren ist. Charaktere wie Gandalf und Boromir opfern sich zum Wohle der Sache. Der Einsatz ist hoch und die Dinge wandeln sich auf dem Weg zum Schicksalsberg.

In “Infinity War”, hat sich am Ende alles geändert, (und mal davon abgesehen, das dies auch wieder rückgängig gemacht wird. Schließlich können diese Filme nicht in einem Universum spielen, wo die Hälfte aller Bewohner den Löffel abgegeben haben) aber die Charaktere sind immer noch die gleichen. Thanos ist auf seiner eigenen “Heldenreise” – aber es ist eine Reise, die ihn nicht sonderlich fordert oder zwingt sich zu ändern. Zu keinem Punkt muss Thanos seine Taten abwägen. Sein Moment der Wahrheit ist sein Mord an Gamora. Und selbst das ist kein großer Handlungsknoten, denn eine ernsthafte Verbindung wurde zwischen den beiden nie etabliert. Wir wissen das er sich um sie sorgt, aber er sorgt sich mehr um seine Mission. Somit wird ihr Tod im Vergleich zu Thanos Mission herabgewürdigt.

Das Problem bei “Infinity War” ist, dass sich niemand ändern muss, oder Zeit dazu hat. Jeder hat das gleiche Ziel – die Welt retten. Und somit gibt es wenig Raum für wachsende Charaktere. In “Spiderman Homecoming” versucht Peter Parker “die Welt zu retten” indem er Vulture davon abhält, Waffen zu verkaufen. Er lernt, das er kein Avenger sein muss, um den Menschen zu helfen. Er findet heraus, wie es ist ein Superheld zu sein und lernt dabei den Umgang und die Grenzen von Macht in Bezug auf sein Alter und seine Fähigkeiten. Am Ende des Films ist er ein viel selbstbewussterer Spider-Man. Einer der sich den Anzug verdient hat, anstatt ihn einfach geschenkt zu bekommen.

In Infinity War gibt es keinen Wandel. Wir fiebern bei Spider-Man mit, weil wir ihn von “Civil War” über “Homecoming” kennengelernt haben. Aber er, wie alle anderen auch haben keinen Handlungsbogen. Er ist der gleiche wie am Anfang, außer das er jetzt “tot” ist. Die emotionale Wirkung kommt lediglich von Tom Hollands Performance und der Tatsache das wir hier einen 16 Jährigen haben, der nicht sterben will. Sie ist nicht der Einführung und Aufbau eines Charakters geschuldet. Jetzt kann man sagen: “Naja, es ist ja nur die halbe Story.” Kann man, wenn man annimmt, dass “Infinity War” nur das Setup und Avengers 4 die Auflösung ist. Wenn das der Fall ist, dann sollten wir “Infinity War” gar nicht bewerten, da hier ja nur die halbe Geschichte erzählt wird. Außer es ist ein Film der wirklich für sich allein stehen soll. Marvel wusste schon von früh an, das der Film ein Zweiteiler wird, da sich niemand einen sechs Stunden Marathon antun würde. Die Geschichte endet nicht einfach abrupt. Ein Abschluss wurde ja mit eingebaut, wenn auch ein unbefriedigender.

Bei “Infinity War” bleibt alles – von der Charakterentwicklung über den innerern Konflikt – in der Luft. Der Film treibt lediglich eine Handlung voran, in der Thanos seine Infinity-Steine einsammelt. Alle Charaktere werden einfach zusammengekürzt.Wir haben bei anderen Multi-Part Handlungen gesehen, dass es möglich ist, Charaktere wachsen zu lassen, auch wenn der übergeordnete Handlungsstrang noch nicht beendet ist. Infinity War war mehr damit beschäftigt, seine Steinchen einzusammeln und die hälfte des Casts abzumurksen. Nichts desto Trotz bleibt der Film noch lange in Erinnerung und bietet eine Menge Spaß. Nun bleibt zu hoffen, dass den Charakteren im nächsten Teil etwas mehr Luft gegeben wird.

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