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Star Trek Discovery Staffel 1: Beam me up or down?

Keine Serie hat zuletzt soviel Kritik einstecken müssen wie der neueste Star Trek Ableger Discovery. Den Fans einerseits wurde zuviel mit der (von der ursprünglichen Serie etablierten) Geschichte Schindluder getrieben, anderen ging sie dann aber zu wenig weit genug.
Immerhin hatte man zuletzt bei Enterprise gesehen wie man schon einmal einerseits Fans verprellte, als auch keine neuen Zuseher gewinnen konnte.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=oWnYtyNKPsA

Doch wie ist nun die erste Staffel? Ist die Kritik berechtigt? Was kann man von Staffel 2 erwarten? Geht die Serie einen ähnlich unrühmlichen Weg wie Enterprise? Letzteres lässt sich NOCH schwer beantworten, aber für die ersten beiden Fragen kann man schon etwas als Fan sagen:

Handlung: Geschichte eines Krieges

Die erste Staffel thematisiert den in The Original Series kurz angesprochenen Krieg zwischen der Föderation und den Klingonen. Dabei gerät dieser brutale Konflikt etwas ins Hintertreffen, als Hauptcharakter Michael Burnham zur Crew der U.S.S. Discovery stößt. Zwar wird der verzweifelte Frontverlauf immer wieder zur Sprache gebracht, treibt aber lediglich die eigentliche Handlung an. Diese dümpelt gerade in der ersten Hälfte leider etwas vor sich hin.

Gut gespielt, aber leider etwas deplatziert: Harry Mudd

Wo die Handlung dann tatsächlich Fahrt aufnimmt ist bei ihrem Treffen mit dem ebenfalls aus der ursprünglichen Serie bekannten Spiegeluniversum. Hier dürfen erstmals die Charaktere etwas aus ihren Rollenkorsett ausbrechen und hier überrascht sogar die Geschichte mit interessanten Wendungen. Aus Spoiler-Gründen möchte ich darauf nicht näher eingehen, aber gerade deswegen sollte man der Serie eine Chance geben.

Charaktere: Glaubwürdige Frauenfiguren?

Einen der größten Vorwürfe ist teils auch der aktuellen Entwicklung in Hollywood geschuldet: Statt starker Frauen wie man sie schon aus älteren Franchise-Teilen kennt, bediene man nur aktuelle Trends. Frauen in starken Führungsrollen, möglichst positive Aliens als “Einwanderer”-Vorzeigebilder und böse Männer die ihre gerechte Strafe bekommen. Meine Formulierung zeigt, dass ich das “etwas” übertrieben finde. Man darf nicht vergessen dass Drehbücher schon vor #metoo fest standen und die einzelnen Episoden vor vielen aktuellen Trends abgedreht wurden.
Klar ist aber auch, dass die Serie gerade zu Beginn mit vielen Charakter-Abziehbilder zu kämpfen hat. Gerade nachdem der Einfluss des ehemaligen Serien-Mitschöpfers (und Star Trek Voyager/Deep Space 9-Autor) Bryan Fuller nachlässt, wirken viele Figuren richtig langweilig.
Michael Burnham wird von der selbstüberzeugten Rebellin aus dem Piloten schnell der Muster Starfleet-Offizier, der düstere Captain Lorca als harter aber fairer Taktiker, Tilly als nerviger “Comic relief” und dann noch der langweilige Alien Saru.

Gastauftritte und Aliens sind überschaubar

Erst mit dem Wechsel in den Spiegel traut sich die Serie wieder mehr, auch ohne die Ideen des ursprünglichen Showrunners. Tilly darf über ihre dunkle Seite nachdenken, Lorca zeigt sein richtiges Ich, Chef-Ingeneur Stamets muss sich mit einem großen Verlust abfinden und zerbricht fast daran, sogar Burnham wird an ihre Grenzen gebracht. Das ist Star Trek wie man es kennt & liebt, auch wenn das Spiegeluniversum sich einige Freiheiten heraus nimmt.

Ton & Bild: Referenz oder Durchschnitt?

Ein wichtiger Punkt von Star Trek waren auch immer die Effekte. Während die ursprüngliche Serie noch viel inprovisieren musste, setzten The Next Generation und nachfolgende Serien
neue Standards. Auch bediente man sich lange praktischer Effekte statt wie z. B. Babylon 5 dem Computer, was sie sehr gut altern haben lassen. Ein nicht so ganz rundes Bild liefert dagegen Discovery: hier wird viel öfters in die Computer-Trickkiste gegriffen und auch nicht alle Effekte sehen dabei gut/wertig aus.

im Spiegeluniversum müssen sich alle Charaktere anpassen

Wo man sich aber mehr erlaubt ist das Design. Statt auf Nummer Sicher zu gehen und lediglich Konzepte aus TOS bzw. TNG wieder aufzugreifen. Schon das namensgebende Raumschiff ist eine Kombination aus ehemaligem verworfenen Enterprise Konzept und bekannten praktischen Formen. Auch die Klingonen & deren Raumschiffe wirken nun deutlich ungewohnter, verschrecken dabei zwar die Fans etwas, verleihen aber auch notwendigen frischen Wind. Es ist nur schade, dass die Geschichte nicht mehr Begegnungen mit neuen bzw. bekannten außerirdischen Spezien zulies, denn hier könnte Discovery echt punkten.

Die musikalische Untermalung kann ich dagegen nur als bemüht beschreiben. Zu selten kann insgesamt der Soundtrack wirklich glänzen und auch der Titel bleibt nach dem x-ten Mal hören nicht so gut in Erinnerung wie noch bei früheren Serien. Hier besteht definitiv Raum für Verbesserungen.

Fazit: Also wie ist die erste Staffel? Dank der zweiten Hälfte eine guter, wenn auch nicht überragender Einstieg. Man nahm sich interessanten Themen an wie das frühe Spiegeluniversum, oder den ersten Konflikt mit den Klingonen, nutzte aber die Vorlagen nicht immer gut genug. In den besten Episoden sieht man jedoch das Potential der Serie, welches nun in einer weiteren Staffel ausgebaut werden MUSS. Auch die Figuren haben nach langem auf der Stelle treten endlich etwas Entwicklung gezeigt, etwas dass ich von Enterprise z. B. erst nach 2 Staffeln sagen konnte.

Was kommen könnte: Es wurde damals schon gesagt, dass Staffel 2 vor allem die Kontinuitäts-Scherben verarbeiten wird. Ich hoffe dies geschieht entweder auf kreative Weise, oder ist zumindestens nicht das alleinige Theme der gesamten (und kürzeren) Staffel. Denn jetzt könnte man endlich mit diesem rießigen Franchise-Spielplatz arbeiten, Gerade das ursprüngliche Thema des Erforschen und Entdecken darf gerne mehr in den Vordergrund kommen. Denn auch in der heutigen Serienlandschaft sollte sich Star Trek gewissen Traditionen gegenüber treu bleiben.

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