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Ni No Kuni 2: Revenant Kingdom – Die gewaltträchtige Eroberung eines kitschigen Königreichs

Ni No Kuni 2 entführt den Spieler in eine Fantasy-Welt voller zuckersüßer Weggefährten, aber auch in eine Welt voller brachialer Gewalt und Zerstörung.

Dabei beginnt das Spiel mit dem Protagonisten Roland, der seine Welt, sein Königreich, durch einen Anschlag zerstört sieht. Kaum trifft die Rakete in seinem Land ein, erwacht er in einem fernen Land, das fantastischer nicht sein könnte.

In Katzbuckel – und ja, die Namensgebung in dem Spiel könnte wirklich nicht schlimmer sein – lernt Roland den Halb-Miez-König (Miez steht in dem Spiel für Katze) Evan kennen. Dieser befindet sich in lebensbedrohlicher Gefahr, als die Mäuse einen Putsch durchziehen und für ihren Erfolg nur noch den König töten müssen.

Evan indes, immer noch ein kleiner Junge, der den Thron von seinem kürzlich verstorbenen Vater geerbt hat, hat keine andere Möglichkeit als zu fliehen.

Roland verhilft ihm zur Flucht und sieht sich schnell nicht nur als Freund, sondern auch als königlicher Berater bzw. Kanzler an Evans Seite. Nun liegt es an den Beiden, ein neues Königreich zu errichten, Katzbuckel von den bösen Mäusen zurückzuerobern, die Welt zu vereinen und sie gegen eine übermächtige Kraft zu verteidigen.

Auf ihrer beschwerlichen Reise treffen Roland und Evan immer mal wieder auf neue Freunde und neue Feinde. Während sie unterschiedliche Königreiche besichtigen und später auch erobern, lernen sie neue Weggefährten kennen und auch neue Sitten.

Die Weggefährten sind dabei sehr charismatisch: Manche sind Piraten und plündern für ihr Leben gern, andere sind ehemalige Politiker und versuchen Recht und Ordnung zu wahren und wieder andere sind trotz ihrer zwielichtigen Vergangenheit auf dem richtigen Weg.

Während Evan seinen Eroberungskurs der Befriedung des Landes standhält, kann er immer nur zwei Gefährten in den Kampf führen.

Diese haben alle unterschiedliche Fähigkeiten und manche wirken sogar stärker als der König selbst. So hat er nie das Gefühl allein zu sein und seine Gefährten können mindestens genauso gut Gegner vernichten wie er selbst. Manchmal kommt es jedoch vor, dass Evan ein wenig nutzlos wirkt. Wenn Gegner z.B. dasselbe Level besitzen, sind die Kämpfe sehr unausgeglichen und die Gruppe kann sich regelrecht durchmetzeln.

Wenn die Kämpfe dann mal etwas schwieriger werden, kann man immer noch auf die Gnuffis zurückgreifen. Hierbei handelt es sich um Hüpferli,

die in unterschiedlichen Farben und mit unterschiedlichen Kräften tatkräftig Unterstützung leisten. Manche können also heilen, während andere eine Supernova auf den armen kleinen Gegner niederrieseln lassen. Da bekommt man schon fast Mitleid mit den armen Feinden.

Nichtsdestotrotz kann man aber von einem ausgeklügelten Kampfsystem sprechen, das eine gute Mischung aus The Witcher 3 und Dragon Age 2 darstellt und zusätzlich noch Neuerungen einbaut. Man hat starke und leichte Angriffe wie in einem The Witcher und man hat Fähigkeiten, die man wie in Dragon Age 2 on the fly einsetzen kann. Dadurch werden die Kämpfe nie langweilig und sie sind sehr effektreich und actionorientiert.

Wenn man nicht gerade kämpft und grindet, kann man entweder sein Königreich mit unterschiedlichen Gebäudetypen ausbauen oder andere Gebiete mit der hauseigenen Armee niedermähen.

Manchmal darf dann auch einmal ein Rätsel gelöst werden und die typischen “Suche und Zerstöre” – Quests finden ebenfalls ihren Anklang. Dabei entsteht aber immer ein gutes Mischverhältnis. Es ist nicht so, dass man die ganze Zeit über Rätsel lösen muss oder diesen einen Gegnertyp farmen muss. Vielmehr wechseln sich die Questarten ab, sodass keine Mission langweilig wird. Auch das Verhältnis zwischen Zwischensequenz und Gameplay ist sehr ausgewogen. Man hat das Gefühl, wirklich zu spielen und als Belohnung gibt es dann ab und an mal eine Zwischensequenz, die wirklich gut gemacht ist und die Geschichte etwas weiter beleuchtet.

Im Laufe des Spiels stößt man immer wieder auf neue Zauber, die es einem ermöglichen, in alten Gebieten neue Wege freizuschalten. Mit dem Schnellreisesystem und den wirklich sehr kurzen Ladezeiten stellt dies aber kein Problem dar – ganz im Gegenteil. Wie in einem Metroidvania freut man sich über jeden neuen Zauber, der einem neue Gebiete eröffnet und somit auch neuen Loot und neue Feinde.

Loot wird in Ni No Kuni auch groß geschrieben. Fast wie in einem Diablo bekommt man neue Ausrüstung, neue Waffen und Gegenstände. Manche liegen in der Welt verteilt als kleines Lichtlein herum, andere wiederum sind in Truhen versteckt und wieder andere hinterlassen uns die armen Feinde, die immer noch nicht gelernt haben, wie man richtig zuschlägt.

Auch wenn die Geschichte zunächst an einen Disney-Film erinnern lässt, hat sie doch ihre Daseinsberechtigung für Erwachsene. Natürlich ist sie überaus kitschig, die Namen sind ein Albtraum und auch die überaus idealistischen Moralpredigten unseres Protagonisten können uns manchmal auf die Nerven gehen. An vielen Stellen werden aber auch Themen besprochen, die über Krieg und Frieden hinausgehen. So ist das Thema Spielsucht

oder das Problem der Überbevölkerung genauso präsent wie die immer wiederkehrenden Attitüden des Königs, der die Welt ohne Krieg vereinen möchte. Er allein will aber der Herrscher dieses Landes sein und wehe jedem, der sein Abkommen nicht unterzeichnen möchte … ein Philanthrop sieht anders aus.

Manche Aussagen der Gefährten sind anzüglich, ob nun mit Absicht oder nicht, ist schwer zu sagen.

Ist Ni No Kuni also ein Spiel für Groß und Klein?

Meiner Meinung nach ja. Schwierige Themen werden nur unterschwellig behandelt, sodass Erwachsene sich auch einmal über interessante Problematiken freuen können und Kinder nicht zu stark von diesen beeinflusst werden. Je nachdem wie man das Spiel also verstehen möchte, kann man es auch verstehen. Es ist zuckersüß, es ist humorvoll und es ist manchmal auch extrem depressiv und weltoffen, auch wenn der Hauptcharakter sehr weltfremd und naiv ist.

Aber genau dieser Kontrast macht die Geschichte so interessant. Es ist eine Geschichte über das Erwachsenwerden und es ist eine Geschichte über das Hineinwachsen in eine Situation. Es ist aber auch eine Geschichte, die aus einem Fantasy-Roman stammen könnte. Es kommen Drachen, Monster und Prinzessinnen vor und es ist eine Heldengeschichte. Im Grunde bedient Ni No Kuni 2 also ein breites Spektrum an Story-Elementen, die zusammengefügt, zu einem sehr schönen und spannenden Abenteuer werden.

Ni No Kunis größte Stärke ist meiner Meinung nach aber, dass man den ersten Teil nicht gespielt haben muss. Lange habe ich mir überlegt, zuerst den ersten Teil und dann den zweiten zu spielen. Lange musste ich aber auch im Internet nach dem ersten Teil suchen, den man zum größten Teil nur noch gebraucht kaufen kann oder einen horrend schwachsinnigen Preis bezahlen muss. Letzten Endes habe ich sofort mit dem zweiten Teil begonnen und habe es auch nicht bereut. Wenn etwas aus dem ersten Teil wichtig war, so wurde es in einer Mini-Maz erklärt. An sich steht Ni No Kuni 2 aber für sich und Neueinsteiger können sich genauso sehr an diesem Spiel erfreuen wie Fans.

Außerdem ist Ni No Kuni 2 ein Rollenspiel der alten Schule. So viele Spiele nennen sich Rollenspiel, obwohl sie nur Rollenspiel-Elemente beinhalten. Das ist hier anders. Man levelt, man lootet und man hat das Gefühl, stärker zu werden. In Spielen wie z.B. Xenoblade Chronicles 2, in denen man schon gar nicht mehr spielen muss, sondern nur einen Knopf drückt oder sich eine 35 minütige Zwischensequenz anschaut, sind diese Mechaniken schon längst verloren. Vielmehr die alten Final Fantasy – Teile, wie z.B. Final Fantasy X, haben wohl als Inspiration gedient und das mit Erfolg.

Kurz gesagt ist Ni No Kuni 2 also ein taktisch angehauchtes Action RPG mit super kitschigen Elementen, einer Heldengeschichte und einem manchmal zu einfach geratenen Kampfsystem. Nichtsdestotrotz macht es einfach nur Spaß und ist gerade nach einem harten, nervigen Arbeitstag, wenn die Welt so wirklich furchtbar ist, eine Wohltat für die Seele.

 

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