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Metro 2033: Roman vs. Spiel – Welche Tunnel sind düsterer?

Metro 2033 ist die Vorlage zum gleichnamigen Spiel, das versucht hat, sich an die Vorlage zu halten und den Autor stolz zu machen.

Doch wie gut ist eigentlich die Buchvorlage im Vergleich zu der sehr beliebten Videospielreihe? Da schon bald der dritte Teil der besagten Reihe erscheint, schauen wir einmal zurück und begeben uns an den Anfang der Geschichte: Metro 2033 von Dmitry Glukhovsky.

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Metro spielt in den “Tunnels” von Moskau. Die Menschheit hat sich mit ihren Experimenten, mit ihren Atomwaffen, an den Rand der Auslöschung bugsiert. Die restlichen Überlebenden leben in der Metro, verbunden ausschließlich durch Tunnel und dem Hang zum Überleben. Doch diesem Überleben wird immer wieder ein Hindernis entgegengesetzt: Ob nun Hunger, Faschismus oder Überlebenswille… in der Metro bekommen die Menschen nichts geschenkt. Wenn sie nicht darben wollen, versuchen sie, Schweine zu hüten. Wenn sie Luxus in Form von anderen Getränken wünschen, müssen sie Tee aus Pilzen zubereiten.

Wenn sie leben wollen, müssen sie kämpfen.

Denn sie sind nicht die einzigen Bewohner in den “Tunnels” . Mutanten und Monster treiben sich in im Untergrund und auch oberhalb umher. Sie töten nicht, um zu überleben, sondern um des tötens Willens, was sie umso gefährlicher für die verbleibenden Menschen macht.

Im Roman folgen wir Artjom, einem 20 Jährigen, der mehr von der Welt sehen möchte, als nur die eine kleine Kolonie, in der er aufgewachsen ist. Schon früh büßte er während eines Riesenrattenangriffs seine Eltern ein. Nur der Barmherzigkeit eines Soldaten, Onkel Sasha, ist es Artjom gelungen, zu entkommen. Sein Ziehvater hat sich in den Jahren rührend um ihn gekümmert, ihn aber auch von den Gefahren der “Tunnels” fernhalten wollen. So ist es nicht verwunderlich, dass sich der abenteuerlustige Artjom in seiner Jugendzeit eines Nachts hinausschleicht und mit gleichaltrigen versucht, die obige Welt zu erkunden. Natürlich geht alles schief und natürlich begehen die drei Raufbolde den Fehler ihres Lebens.

Der Abenteuerdrang lässt Artjom jedoch nicht los, weshalb er sich bei der ersten Gelegenheit in ein neues Abenteuer stürzt, als ein Freund seines Ziehvaters, Hunter ist sein Name, ihn bittet, zur Polis (die Großstadt in der Metro schlechthin) zu reisen, sollte er nach einem schwierigen Unterfangen nicht zurückkehren.

Also begibt sich Artjom auf die Reise und bemerkt, dass er nicht so ist, wie die anderen Metro-Bewohner…

Anfangs kann das Buch etwas schwierig sein. Es gibt sehr viele russische Bezeichnungen, bei denen man sich nicht sicher ist, was sie so richtig bedeuten. Es gibt aber auch viele Übersetzungen an den Stellen, die wichtig erscheinen. Die “Polis” kommt z.B. aus dem Griechischen und auch ihre Bedeutung wird im Roman erklärt. Die Umschreibungen der Gegend halten sich in Grenzen und sind nicht so ausgeschmückt, wie es z.B. in einem “Das Lied von Eis und Feuer” der Fall ist.

Anfangs habe ich mich noch gefragt, was sinnvoller ist: erst das Spiel und dann das Buch oder erst das Buch und dann das Spiel? Im Nachhinein muss ich sagen, dass das Spiel, so gut es auch die Metro und ihre Bewohner einfangen konnte, viele Details aus dem Roman ausgelassen hat. Ich habe den Roman parallel zum Spiel gelesen und fand es sehr faszinierend, wie viel das Spiel doch bedacht hat. Die Anfangssequenz ähnelt dem Anfang des Buches kein Stück, aber dennoch kommen die beiden Protagonisten auf denselben Pfad. Auch hat es mich nicht gestört, wenn das Buch quasi schon etwas vorweggenommen hat, da die Szenen im Spiel anders aufgebaut waren. Gab es im ersten Kapitel des Romans eine Lagerszene, welche die “Tunnels” und die Monster erklärte, so startete das Spiel direkt mit einer Actionsequenz, in der wir Miller begleiteten, den man im Buch erst sehr viel später kennengelernt hat. Durch diese verdrehte, aber spannende Wendungen konnten sich weder Spiel noch Buch etwas vorwegnehmen.

Die Charaktere sind ebenfalls in beiden Formaten sehr gut gelungen. Im Spiel wirkt Artjom aber definitiv erwachsener als im Buch, was wohl auch daran liegen mag, dass man nicht unbedingt einen Jüngling spielen möchte, der noch neben Papa schläft und sich fast in die Hose macht, wenn er ein Geräusch hört, das sich als Tribbeln eines kleinen Hundes herausstellt. Außerdem wurde ihm im Spiel etwas von seiner Schuld genommen. Sein Bedauern um seine Taten findet nur im Buch Anklang.

Metro 2033 ist ein Horror-Roman, der nicht vor schlimmen Vorkommnissen halt macht. Er erzählt eine Geschichte, die nicht nur den Protagonisten tangiert, sondern auch einen Einblick in das Leben anderer Bewohner gewährt. Durch die “Geschichten” , die sich die Charaktere im Buch immer wieder erzählen, lernt man etwas von der Welt, die Dmitry Glukhovsky erschaffen hat. Interessant ist auch, wie die Vorgeschichte nach und nach durch Hörensagen aufgearbeitet wird. Die Menschen in der Metro sind Unwissende. Sie haben Bücher gelesen und ein paar noch aufbewahrt, aber sämtliches Wissen müssen sie sich durch Mund-zu-Mund-Geschichten aneignen. Es gibt auch keinen übergeordneten Erzähler, der alles weiß und auch alle Details preisgibt. Man weiß jeweils das, was der Hauptcharakter erfährt und das hält die Spannung bis zur letzten Seite aufrecht.

Und das Beste: Das Buch schließt das Spiel nicht aus. Oft kommt die Frage auf, ob man doch lieber den Film, die Serie schauen oder das Buch lesen soll. In vielen Spielen kann man sich in letzter Zeit sogar fragen, ob man denn lieber die Comics, das Buch lesen oder das Spiel spielen soll.

Im Fall Metro kann man nichts verkehrt machen. Ob nun vor, nach oder parallel, das Buch ist nur eine Unterstützung für das Spiel, so wie das Spiel nur eine Unterstützung für den Roman ist.

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