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Telltale’s The Walking Dead Michonne – Tough & Crazy

The Walking Dead Michonne ist eine Mini-Staffel vom Action/Adventure – Primus Telltale, d.h. die Staffel besteht nur aus 3 Episoden, die zwischen 60 und 90 Minuten gehen. Im Gegensatz zu den neueren Titeln von Telltale, wie etwa Batman – The Enemy Within, lässt sich The Walking Dead Michonne weniger wie ein Action-Adventure, sondern vielmehr als Point-And-Click mit Actionszenen, die wir nicht spielen dürfen, betrachten.

Michonne ist aus der gleichnamigen Serie und den Comics sehr bekannt und teils sogar noch beliebter als der Protagonist Rick Grimes. Dies liegt vor allem daran, dass Michonne eine knallharte Schwertkämpferin ist, die nicht so leicht kleinzukriegen ist. Durch diese Charakterstärke und ihre beiden Zombie-Begleiter, die sie immer als Haustiere hält, um andere Zombies fernzuhalten, gewinnt Michonne an großer Bedeutung für The Walking Dead Fans.

Im Telltale Assemble sieht das etwas anders aus. Wir spielen nicht mehr die knallharte Zombiejägerin, die den Zombies mehr Angst einjagt als andersherum. Wir sehen eine Seite an Michonne, die sie verletzlich, selbstmörderisch und verzweifelt zeigt. Es geht nämlich darum, wie Michonne mit dem Verlust ihrer Kinder umgeht und versucht, am Leben zu bleiben. Eine kleine Gruppe Überlebender versucht ihr dabei zu helfen und so schweift sie zwischen Leben und Tod, währenddessen sie weder zu den Lebenden noch zu den Toten gehören zu scheint.

Spielerisch befinden wir uns auf der Seite von The Walking Dead, d.h. wir können teils frei herumlaufen, mit Knöpfchen Kämpfe entscheiden und uns mit den NPCs unterhalten. Mehr Gameplay gibt es leider nicht, aber mehr Gameplay braucht ein Telltale-Spiel auch nicht zu haben, denn man spielt es ja wegen der interaktiven Geschichte.Wer ein waschechtes Click-And-Point sucht, muss sich leider bei Titeln wie Thimbleweed Park umschauen.

Die Geschichte wird in 3 Episoden erzählt, wobei die erste Episode sehr gut, die zweite mittelmäßig und die dritte sehr gut, aber zu kurz ist.

Alles startet damit, dass das Boot, auf dem Michonnes Gruppe hausiert, durch einen kleinen Unfall kaputt geht. Um es zu reparieren, müssen sie sich auf anderen Fähren umschauen. Natürlich sind diese nicht Zombie-frei und natürlich treffen sie auf andere Überlebende. Wer The Walking Dead gut kennt, wird schnell erraten können, dass die anderen Menschen im TWD-Universum immer um einiges gefährlicher sind, als die eigentlichen Zombies. Es kommt also zu einer Konfliktsituation, die über 3 Episoden erzählt wird.

Was ich persönlich sehr schade finde, ist, dass der Plot sehr einfach gehalten wird und nur selten durch Michonnes geisteskranken Verstand beeinflusst wird, wie es z.B. ein Hellblade tut. Es gibt nur 3 gute Szenen, in denen die Realität so stark mit ihrem Kopfkino kollidiert, dass man diese als empfehlenswert versehen könnte. Meistens ist Michonne einfach nur zickig und wird als einfältig dargestellt.

Möchte ihr z.B. jemand eine Reparatur erklären, stellt sie sich quer und möchte keine weiteren Einzelheiten wissen. So kann man zwar argumentieren, dass Michonne einfach sozial inkompetent ist und i.d.R. auch nicht viel spricht, jedoch finde ich es schade, dass sie sich kaum über die Staffel hinweg entwickelt. Zudem brechen die Entscheidungsmöglichkeiten immer wieder mit ihrem Charakter. Wieso kann ich mich einmal dazu entscheiden, mit anderen zu reden und freundlich zu sein und das andere Mal kann ich mir eine Erklärung zu einem Boot nicht anhören? Da wäre es mir lieber gewesen, wenn man generell sehr viel weniger Auswahlmöglichkeiten gehabt hätte, um charakterkonform zu bleiben. Michonne würde sich wohl kaum über den Zustand jedes einzelnen Bootpassagiers erkundigen und ein Schwätzchen anfangen.

Kann man The Walking Dead Michonne also empfehlen?

Leider nur bedingt. Als Comic oder Serienfan könnte man durch die stupide Darstellung Michonnes etwas ins Straucheln geraten. Es ist zwar schön, dass Telltale immer wieder versucht, den Charakteren einen eigenen Stempel aufzudrücken und sich eine eigene kleine Geschichte auszudenken, jedoch finde ich diese dieses Mal nicht gelungen. Das Gameplay macht zwar Spaß, es gibt die ein oder andere coole Szene, in denen wir möglichst brutal Zombies töten und sich auch der Ton stark unterscheidet zu The Walking Dead, aber es ist auch ein ziemlicher Stilbruch zum Charakter. Wir sprechen hier also von einigen neuen Ideen, die teils auch wirklich gut umgesetzt wurden, wie mit dem Sprung zwischen Michonnes Vergangenheit und dem Zombie-Geschnetzel in der Gegenwart, aber wir sprechen auch von einer ganz eigenen Art, die Comics auszulegen.

Grundsätzlich kann man bei Telltale Spielen nichts Falsch machen, wenn man ihre ganz eigene Art und Weise mag. Spielerisch unterscheiden sie sich nur marginal und der Plot ist immer gut geschrieben und schön inszeniert. The Walking Dead Michonne ist ein schönes, kurzes Abenteuer mit einem geliebten altbekannten Charakter und vielen stilistisch gut ausgearbeiteten Szenen, allein das Intro macht Spaß.

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Video-Link: https://www.youtube.com/watch?v=C8nwp9J2Pbw

Der einzige Kritikpunkt, der einem wirklich den Spielspaß nimmt, ist die PC-Fassung, die unter AMD Grafikkarten nicht ans Laufen zu kriegen ist. Zwar kann man auf einer niedrigeren Auflösung spielen oder im Fenstermodus, es ist aber nicht möglich, 1080p im Vollbild zu bekommen. Ärgerlich! Nier Automata hatte ebenfalls diesen verpönten “White Screen of Death“.

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One comment

  1. […] The Walking Dead Collection wird Staffel 1, 2, “Michonne” und “A New Frontier” (Staffel 3) beinhalten. Dies sind zusammen 19 Episoden, die ab dem […]

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