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Babylon Berlin – Chicago an der Spree

Tom Tykwer dürfte dem ein oder anderen bereits ein Begriff sein. Denn mit den Arbeiten zu Lola Rennt, Das Parfum, Cloud Atlas, Sense8 und eben auch Babylon Berlin hat sich der gebürtige Wuppertaler bereits einen Namen gemacht. Um sein letztes Werk, der Titel hat es euch bereits verraten, soll es in diesem Artikel gehen – die teuerste deutsche Fernsehproduktion aller Zeiten. Vom Fußball weiß der deutsche, Geld allein schießt keine Tore – macht aber Geld gleich eine gute Serie?

Fangen wir also mal langsam an … Babylon Berlin spielt Ende der 20er Jahre. Der Vibe den die deutsche Hauptstadt damals ausstrahlte wurde wunderbar eingefangen. Drehorte, Farben und Musik ergänzen sich wunderbar und Formen eine wunderbare Kulisse, die glaubwürdig und zu keiner Zeit künstlich oder aufgesetzt wirkte. Die Nachkriegszeit auf der einen Seite mit zerstörten Familien, der Trostlosigkeit dem mancher im seinem Alltag tagtäglich gegenüber stand und auf der anderen Seite der pure Genuss. Laute schrille Abende, Zwanglosigkeit und Lebensfreude. Alles gibt sich selbst Raum, wird hier und da wieder umschlungen um sich dann wieder davon zu lösen und frei zu sprengen.

Der Kölner Kommissar Gereon Rath wurde nach Berlin geschickt um einen Erpressungsfall zu lösen. Als traumatisierter Kriegsveteran leidet er selbst massiv unter den Folgen von Sinnlosigkeit und Gier. Schnell verbinden sich mehrere Handlungsstränge zu einer größeren Geschichte – mit der der Neuankömmling zunächst fertig werden muss. Wem kann man im Sumpf von Drogen, Politik und Mord vertrauen? Dazu aufkommender Extremismus in der noch jungen deutschen Demokratie. Die Menschen hinter der Serie spielen dazu ausgezeichnet und lassen mal mehr und mal weniger erblicken, auf welcher Seite genau Sie stehen. Oder auch nicht. Oder eben das oder.

Wie auch schon jüngst meine Worte zu Dark, muss auch Babylon Berlin sich hinter niemandem verstecken. Vom product value auf einer Stufe mit eben jenen großen Produktionen von Übersee. Und auch hier bleibt man sich wieder treu – Charaktere sind hervorragend geschrieben und glaubhaft besetzt. Dazu dieser europäische Stil, der wenn er gut ist, Authentizität aus jeder Pore versprüht. Nicht das ich Schwierigkeiten mit internationalen Produktionen habe oder eben jene Glaubhaftigkeit abspreche – ganz im Gegenteil – zu großen Teilen ist man ja leider dazu gezwungen sich davon zu ernähren. Aber dieses Gefühl was europäisches Kino erschaffen kann, ist eben anders. Versteht ihr? Also fühlt ihr es auch?

Nun haben wir hier keinen Kinofilm vor unseren Augen, sondern eine Serie, die für jede Episode ca. 2,5 Millionen Euro zur Verfügung hatte. Kommen wir zur Ausgangsfrage zurück: “Macht Geld gleich eine gute Serie?” Im Grunde eine rhetorische Frage. Ihr kennt die Antwort. Natürlich nicht. Und in diesem Fall? Sehr wohl. Außerordentlich gut würde ich sogar sagen. Spannende Geschichten die Einblicke ins tatsächliche Berlin von früher geben und einer fiktiven Geschichte die ein herrliches Fundament bietet, worauf weiter aufgebaut werden soll. Babylon Berlin sollte man durchaus eine Chance geben, wenn man in der Anzahl der vielen verfügbaren und wirklich guten Serien nicht mehr weiter weiß und auf der Suche nach etwas ist, das ein Wiedererkennungsmerkmal bietet – und die einen dann nicht mehr loslässt. So ging es zumindest mir.

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