FilmReview

Justice League – Konkurrenz oder Klamauk?

Das DC-Comicuniversum hat so viele Vorteile gegenüber Konkurrent Marvel. Sei es die ikonischen und gut etablierten Helden, einige der besten Schurken und Bösewichte und über die Jahre einige der besten Geschichten.

Darum war ich damals auch so überrascht als Marvel mit (aus der damaligen Sicht) lächerlichen Figuren wie Iron Man oder gar Captain America zur fixen Größe im Kino mauserte. Erst zu spät erkannte man das Potential, welches man nur bedingt mittels (guter) Animations-Adaptionen ausschöpfte.

Nun stellte sich für viele die Frage: Gelingt nach dem holprigen Batman v Superman der Justice League endlich der Durchbruch der DC-Helden als Truppe, oder muss man wieder auf die Einzelvorstellungen hoffen?

Ich gestehe: Mich hat der Film überrascht. Ausgehend von den Trailern habe ich eine Kombination aus schlechten CGI und billigen Witzen erwartet, eine simple Version von Marvel’s Avengers. Da hier Joss Whedon einspringen musste, hätte das sogar gepasst.

Doch das ist der Film garnicht. Ja, er hat seine Buddy-Movie Momente die dann etwas an Marvels Heldentruppe erinnern und ja der Film hat teils wirklich fürchterliche Computer-Effekte. Aber im Grunde behandelt der Film das Nachbeben von Batman v Superman. Eine Welt ohne den Mann aus Stahl, die noch viel hoffnungsloser und verletzlicher wirkt. Ganz anders als bei der Konkurrenz steht nicht das Zusammenraufen des Teams, die Kollision der unterschiedlichen Charaktere und die Botschaft “zusammen können wir etwas erreichen” im Vordergrund.

Ezra Miller als Barry Allen/Flash gibt hier seinen sympatischen Einstand

Dadurch wirkt JL in seinem besten Momenten weit erwachsener und geerdeter. Hinzu kommen auch teils gut ausgearbeitete Charaktere. Amy Adams verkörpert die trauernde Loise Lane, Gal Gadot hat nun schon ihren dritten Auftritt als Wonder Woman und überzeugt erneut mit ihrem stark ausgeprägten Moral-Kompass, während Ben Affleck sich gut in der Rolle des etwas zerknirschten dunklen Ritter einfügt.

Neu sind Ezra Miller, der perfekt den jungen & stets für einen Spaß zu haben Flash verkörpert und Jason Momoa, der Aquaman schon fast ZU cool und widerspenstig darstellt. Sie fügen sich perfekt ins Team und sorgen jeweils auf ihre Art für den einen oder anderen hellen Moment.

Jason Momoa verleiht Aquaman endlich wieder etwas Würde

Unterstrichen wird das von einem dezenten, aber deswegen nicht uninteressanten Soundtrack von Danny Elfman (Batman und Batman Returns). Ich fand es zur Abwechslung sogar mal ganz nett, mal keine Lizenzschwergewichter in die Ohren geprügelt zu bekommen. Besonders dankbar war ich für das Batman-Theme, welches hier ähnlich gut eingearbeitet wurde, wie in BvS das Man of Steel Theme.

Das hört sich doch alles sehr gut an, also kann nun DC endlich auch mit mehreren Charakteren glänzen? Leider muss ich hier auch noch die zahlreichen Probleme ansprechen, die den Film dann leider wieder runter ziehen.

Fangen wir mit dem Versuch an, die Origins-Story von JEDEM der neuen Charaktere in den Film zu bringen. Während die beiden erfreulichen Neuzugänge dabei nur an der Oberfläche kratzen (vermutlich weil eigene Filme geplant sind), versucht man die Entstehung von Cyborg in Verbindung mit der Bedrohung zu setzen. Das geht leider gewaltig in die Hose weil einerseits Ray Fisher in seiner Rolle einfach nicht überzeugt, die “billigeren” (haben sicher viel gekostet, wirken aber leider nicht so) Effekte bei ihm in jeder Szene deutlich werden und es von der eigentlich Handlung nur ablenkt. Beim Volk von Atlantis frage ich mich, warum man sich für die paar Szenen überhaupt die Mühe gegeben hat.

Auch etwas unausgegoren wirkt der Humor. Der Film ist nicht so ernst wie Batman v Superman, aber Snyder/Whedon haben es zum Glück nicht übertrieben. Wo aber die lockere & etwas tollpatschige Art von Barry Allen/Flash perfekt passt, wirken manche Gags schon etwas kindisch. Wenn etwa Wayne zum wiederholten Mal auf seine “Superkraft” aka sein Vermögen anspielt, oder wenn Wonder Woman’s Lasso der Wahrheit einmal zu oft herhalten muss, überdreht man fast schon automatisch die Augen.

Leider kann Ray Fisher als Cyborg überhaupt nicht überzeugen

Alles bis jetzt noch kein großes Problem, nur leider setzen Bösewicht, sein Motiv und die übertriebenen Computereffekte dem ganzen einen weiteren Dämpfer auf.

Leider kenne ich die Comics nicht, aber wer schon bei Marvel die Motive der Schurken infrage stellt, klatscht hier mit der Hand einige Male auf seine Stirn. Denn Steppenwolf ist einfach nur böse. Das ist sein einziger Antrieb – den ganzen Film hindurch. Wenn es etwas gibt dass ein eindimensionaler “Bösewicht” tun würde, seid euch sicher er macht es, egal wie klischeehaft oder dämlich das auch wirkt.

Das Ende musste leider wieder in einem CGI-Feuerwerk gipfeln

Wenn das alles noch im völlig übertriebenen Greenscreen-Ende gipfelt, kommen erste Erinnerungen an BvS wieder hoch. Besonders nervig weil es gerade der Punkt ist, wo DC seit Men of Steel kritisiert wird, aber eisern fest hält.

Einen Punkt MUSS ich noch erwähnen: Ja es geht um die “lästige” Sexismus-Debatte. Denn auch wenn Wonder Woman so selbstständig und taff wie schon im eigenen Film dargestellt wird, muss ich unseren Jungs (Podcast: SpielBar #26: Black Fryday ) recht geben. Es war einfach unnötig ihre Rüstung (sowie die aller Amazonen) deutlich zu kürzen. Das weder Figur noch Film nötig und wirken nicht passend.

Damit ist Justice League besser als ich erwartet hätte, leider aber nicht so gut wie es dieses Universum verdient. Geht man diesen Weg aber konsequent weiter, dürfte DC aber zukünftig eine ernst zu nehmende Konkurrenz sein.

In der Zwischenzeit bekommt ihr aber einen Film mit einigen interessanten Charakteren und Thematik, welcher großteils zu unterhalten weiß.

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