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Star Trek Discovery – Boldly Gone?

So nun haben wir “Mid-Season” bei Star Trek Discovery. Bis Januar ist erstmals Schluss mit Staffel 1. Zeit ein erstes vorsichtiges Fazit zu ziehen. Ich bin schon gespannt auf die internationale Meinung, immerhin schwankte nicht nur die Qualität, auch die Meinungen zur Serie reichten von “ja da tut sich endlich was” bis “Orville ist das bessere Star Trek”.

Erhofft hatte ich, dass mich eine Folge wirklich aus den Socken haut, oder mich eine der Figuren auch noch nach dem Abspann beschäftigt. Befürchtet habe ich ein ständiges Hin und Her zwischen düsterem Battlestar und klassischem Star Trek der 90er.

Die USS Discovery Crew

Um ehrlich zu sein, war die Serie lange irgendetwas dazwischen. Die besten Folgen spielten gekonnt mit den Erwartungen die man an Star Trek hat, überraschten aber leider zu selten mit richtig guten Storywendungen oder Charakterentwicklungen.

Gerade die Beziehungen der Menschen untereinander sind zwar so komplex gewollt, wurden aber so plump und vorhersehbar dargestellt, dass sie selten überzeugen. Hier war lange der Pilot die bessere Ausnahme.

Burnham wirkt anfangs noch zerknirscht, verfällt dann aber schnell in diese typische Vulkanier-Rolle die man schon von Spock (Star Trek) oder T’Pol (ST: Enterprise) kennt. Dazu wirkt die sich anbahnende Romanze auch sehr tollpatschig, ja teils peinlich. Der ängstliche Nr. 1 Saru, der brutale Captain Lorca oder der nerdige Chief-Eng Stamets kommen ZU selten aus ihren Rollen, wirken dann sogar oft auch noch unpassend.

die Konzepte können immer wieder überraschen

Was dagegen richtig gut funktioniert sind die übergeordnete Geschichten und die Abwechslung aus Außen/Inneneinsätze, Raumkämpfe usw. Discovery bemüht sich einerseits einen großen Krieg ähnlich Star Trek DS9 zu gestalten, aber auch andererseits die Erforscher-Natur von Star Trek zu integrieren. Das fängt schon mit der ungewöhnlichen Art des Antriebs des Raumschiffes an, geht über die Lebensformen auf die sie treffen, hin zu den Gefahren welche  sich ihnen entgegen stellen.

Hier läuft die Serie auf Höchstform und man merkt dass die Schreiber das Thema verstanden haben. Trotzdem darf, ja muss man was die Charaktere betrifft, in Zukunft mehr erwarten. Star Trek war immer schon ein Spiel der verschiedensten und interessantesten Charakteren. Selbst die Stereotypen aus ST:Voyager oder ST:Enterprise wirkten hier lange besser.

Ich zweifelte schon, ob diese Serie wirklich in der ersten Staffel noch mit einem Highlight aufwarten kann bzw. die Mängel behoben werden.

Überraschende Konfrontation Harry Mudd und Captain Lorca

DANN kam Algorithmus oder wie sie im englischen treffender genannt wurde Into the Forest I Go. Während die sechs Folgen davor wurden die wichtigsten Personen der USS Discovery aufgebaut. Captain Gabriel Lorca wird in “Wähle deinen Schmerz” und “Lethe” als Mensch der im Zweifelsfall über Leichen geht dargestellt, Sicherheitsoffizier Tyler kommt trotz seiner Folter in “T=Mudd²” Michael immer näher, während Stamets ähnlich wie Scotty für “seinen” Antrieb in “Sprung” sogar sein Leben gefährdet. Gerade Saru mausert sich in “Si Vis Pacem, Para Bellum” zu einer Person mit deutlich mehr Facetten, als man ihm zugetraut hätte.

Das wirkt immer recht nett, recht “Trek-freundlich”, aber ohne wirkliche Highlights. Nicht umsonst fühlte ich mich oft an Season 1 von The Next Generation erinnert, wo man ebenfalls noch nicht wusste wohin die Reise geht.

Die Klingonen in Discovery wirken bekannt und doch verstörend anders

Jedoch führt ausgerechnet “Into the Forest I Go” all diese oberflächlichen und schon fast untergegangen Handlungsstränge zusammen und gibt innerhalb von gerade mal 40 Minuten vielen Charakteren mehr “Fleisch” als sie zuvor hatten. Dadurch kann man auch darüber hinwegsehen, dass Hauptcharakter Michael noch immer etwas den “Proto-Vulkanier” spielt.

Auch der Ausgang dieser Folge ist interessant gewählt und lässt die Wartezeit bis Januar wie eine Ewigkeit wirken. Hier hat die Serie erstmals Potenzial völlig aus der bisherigen Handlung auszubrechen. Ich bin gespannt ob dies genutzt wird, oder ob man wieder zum alten Trott zurück kehrt.

Star Trek Discovery hatte einen bombastischen Start und ein nicht weniger beeindruckendes Mid-Season-Ende. Leider tritt man dazwischen etwas auf der Stelle und verheddert sich etwas im Versuch bekannte “Trek”-Elemente/Themen mit einer aktuellen High-End Netflix-Serie zu verbinden. Wer damit leben kann bekommt aber eine der derzeit hochwertigsten Sci-Fi Serien.

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2 comments

  1. Gestern Abend habe ich mir Folge 8 und 9 angesehen und muss sagen, das es wieder besser wurde. Hat mir am Ende dann doch gut gefallen. Ich hatte zwischenzeitlich echt meine Probleme, da ab der Mitte die Qualität der einzelnen Episoden doch extrem stark gefallen war. Folge 7 mit dem “täglich grüßt das Murmeltier” war so dermaßen schrecklich und wirklich zum kotzen. Ich bin gespannt wie es weiter geht und hoffe das sie in der zweiten Staffel gerade was die CGI Effekte angeht noch etwas drauf packen können.

  2. Das war nur die Hälfte bzw. 2/3 der ersten Staffel. Das was im Jänner folgt ist dann der Rest. CGI fand ich eigentlich nicht so tragisch, vor allem die Discovery und die Kämpfe fand ich gut, sie haben sogar ein paar akustische Effekte aus Classic eingebaut (das Geräusch wenn sie Torpedos abfeuern hört sich 1:1 genau wie in Star Trek The Original Series an).

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