ReviewRollenspieleVideospiel

Horizon Zero Dawn: The Frozen Wilds – Mit dem Kopf durch die eisigen Wände der Banuk

Es gibt wohl kaum Kritiker, die Horizon Zero Dawn nicht in die Höhe gelobt haben. Dies mag zum einen daran liegen, dass der interessante Mix aus Steinzeit und Zukunft einen Spieler tief in eine Welt eintauchen lässt, die man so bisher noch nicht gesehen hat. Vielleicht liegt es aber auch an der äußerst charismatischen und gerechten Aloy, eine temperamentvollen Rothaarigen, die es sich zum Ziel gesetzt hat, die Welt etwas besser zu machen.

Und erst die Grafik … ein echter Augenschmaus, der mit dem Fotomodus noch besser eingefangen werden kann. Meistens war ich jedoch zu fasziniert vom eigentlichen Spiel, dass ich diesen schlechthin vergessen habe, einzusetzen.

Nachdem sich das Hauptspiel vollständig angefühlt hat und man sehnlichst auf die News gewartet hat, dass Guerrilla Games an einer Fortsetzung arbeite, kam dann die Neuigkeit, dass sie zwar nicht am zweiten Teil, dafür aber an einem DLC mit dem Titel “The Frozen Wilds” arbeiteten.

Es war anfangs noch nicht so viel bekannt. Hinterrücks munkelte man jedoch, dass es sich bei dem DLC vielleicht um die Banuk handeln könnte, einer Art Jägerkaste, die durch Krieg und Absonderung besondern mutig und starrsinnig geworden ist.

Die Vermutung war auch nicht allzu weit hergeholt. Im neuen und wohl auch einzigen DLC geht es nämlich genau um diese Leute.

So startet man den DLC, indem man sich zu einem neuen Gebiet auf der Karte etwa nordöstlich bewegt. Wir begegnen dort einem NPC, der uns deutlich macht, dass wir dort doch bitte weitergehen sollen, indem er unserer sturen Aloy aufträgt, bitte nicht in diese Richtung zu gehen. Wie immer kann Aloy nicht auf andere hören.

Wir trampeln also mit unsere naiven Nervensäge, die sich alle zwei Minuten über die Kälte beschwert, geradewegs zu den Banuk. Da uns diese Halb-Maschine-Halb-Mensch-Wesen doch sehr bekannt vorkommen, kommen wir natürlich nicht umhin, sie nach Sylens zu fragen, der nebenbei bemerkt ebenfalls Broyles in Fringe gespielt hat.

Wie es für Aloy typisch ist, fragt sie jeden NPC, was er denn auf dem Herzen hat, bis sie ein Problem gefunden hat, das sie lösen kann. So kommt es auch, dass wir nicht lange auf die Mission warten müssen, einen Weg zu einem Berg zu finden, der besonders gefährlich aussieht und der auch schon sehr viele Leben gekostet hat.

Das Funkeln in Aloys Augen nimmt auch dann zu, wenn uns der Anführer des Werak (in dem Fall ein anderes Wort für Stamm) klar macht, dass er das Sagen hat und uns nicht durchlässt.

Der kindliche Dickkopf Aloy lässt das nicht lange auf sich sitzen und sucht prompt einen Weg, den Häuptling vom Gegenteil zu überzeugen und diesen gefährlichen Berg zu besteigen, der irgendetwas mit den Maschinen gemacht hat, sodass diese wieder besonders böse sind.

Neben dieser “Hauptmission” führt uns der DLC immer wieder an neue Nebenquests und -Aktivitäten heran. Wir bekommen z.B. neue Waffen und machen neue Bekanntschaften, die uns mehr über die Banuk erzählen, über Sylens und was es mit all dem auf sich hat. Anfangs fühlte es sich so an, als spiele der DLC nach dem Hauptspiel, tatsächlich ist es aber so, dass er sich perfekt in die Geschichte einpasst und quasi eine Brücke zwischen Hauptspiel und letzter Mission schafft.

Dabei sind die Nebenquests wieder das Hauptaugenmerk des Spiels, da uns diese an jene Orte führen, an denen wir besonders gute Waffen und neue Ausrüstung bekommen. Außerdem gibt es wieder Sammelobjekte, die in der doch recht groß gewordenen Mini-Welt gut verteilt wurden.

Um dem Ganzen noch eine Schippe draufzusetzen, gibt es auch neue Maschinengegner. Diese ähneln wieder so manchem Tier und nehmen auch die Bewegungen leicht auf. Schwer wird es vor allem dann, wenn die Maschinen mit Feuerattacken und anderen Elementen versuchen, uns in die Ecke zu manövrieren. Dann spinnt manchmal die Kamera ein wenig, sodass der Kampf von “schwierig” zu “unfair” wechselt. Das soll aber nur eine ganz kleine Minikritik am Rande sein, denn die Kämpfe fühlen sich wirklich gut an. Der Einsatz des Bogens und auch der neuen Waffen macht einfach nur Spaß.

So haben wir z.B. eine Art Maschinengewehr, das Gegner stunnen kann oder einen Flammenwerfer, der menschliche Gegner in Asche verwandelt.

Es gibt aber auch einen komplett neuen Fähigkeitenzweig, der uns etwa ermöglicht, mehr Ressourcen mitzunehmen oder Maschinen unterwegs zu töten. An sich überzeugen die neuen Fähigkeiten nicht mit Raffinesse oder Vielfalt, trotzdem scheinen sie eine nette Erweiterung zu sein, die uns das Spiel noch einmal erleichtert und vor allem den Spielfluss fördert, wenn man nicht mehr für jede Pflanze absitzen muss.

Im Laufe der Nebenaktivitäten kann man sich auch wieder auf neue Rüstungen freuen, die bekanntlich ziemlich seltsam und nicht immer schick aussehen, dafür aber in puncto praktisch punkten können.

Ich habe für meinen Spieldurchgang knapp 8 Stunden gebraucht, obwohl ich alles gesammelt habe. Kürzlich hatten die Entwickler zwar gesagt, dass man gut 15 Stunden brauchen würde, das halte ich aber für sehr unrealistisch. Vielleicht dann, wenn man es auf “sehr schwer” spielt. Vielleicht.

Insgesamt hat sich das Spiel weniger wie eine Erweiterung, sondern vielmehr wie ein fest integriertes Stück im Spiel angefühlt. Man hat viele neue Elemente, die sich mühelos in das eigentliche Setting eingliedern. Es gibt auch Nebenaktivitäten, wie z.B. die Jagdaufträge, die sich im DLC wiederfinden, sodass man einfach das Gefühl hat, ein weiteres Gebiet zu erkunden und nicht etwa außerhalb der bekannten Welt agiert.

Außerdem lohnt es sich durch den DLC einmal mehr, das Spiel noch einmal von Vorne zu beginnen und es mit dem DLC zu genießen, da er sich so gut an das Spiel anschmiegt.

The Frozen Wilds kann es somit offiziell mit einem The Witcher 3 DLC (zwar nicht mit Blood and Wine, aber Hearts of Stone auf jeden Fall) aufnehmen, da es vielleicht nicht ganz so lang, dafür aber mindestens genauso spannend und abenteuerlustig ist. Immerhin haben manche Nebenquests mehr Story als das komplette Hauptspiel von Dragon Age: Inquisition. Just saying …

20€ für ein 8 Stunden DLC mögen auf den ersten Blick vielleicht teuer wirken, aber ich kann es jedem Spieler nur ans Herz legen, der auch schon Spaß am Hauptspiel hatte. Die Complete Edition, die nächsten Monat erscheinen soll, ist mit Sicherheit auch immer die richtige Wahl für ein Weihnachtsgeschenk.

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*

Die Pixel sind live!
CURRENTLY OFFLINE