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Paris Games Week oder wie Sony die E3 degradiert

Letzten Montag hielt Sony seine zweite Pressekonferenz im Vorfeld zur Paris Games Week ab. Letztes Jahr konzentrierte man sich auf die Electronic Entertainment Expo (kurz E3) und PlayStation Experience (kurz PSX), Europa kam dabei etwas kurz, aber dafür waren ja die beiden US-Shows randvoll mit Neuigkeiten, Trailern und Kinnladenmomenten.

Gleich vorweg: Nein das wird jetzt nicht NOCH ein Artikel über manch kontroverse Trailer, welche Sony ohne Warnung zeigte. Ich gehe unten zwar kurz darauf ein, aber wer hier erwartet dass ich entweder Schutzschild oder Ankläger übernehme, nein das ist kein solcher Artikel.

2015 hatte Sony das erste Mal eine Keynote oder Pressekonferenz wie wir hierzulande gerne sagen in Paris. Damals waren es eher die kleinen Indie-Titel die dort scheinen durften und neue Trailer zu auf der E3 angekündigten Spielen. Entsprechend niedrig waren die Erwartungen dieses Jahr. Sony kündigte die PK zwar an, aber im Vergleich zur E3 oder lokalen GC (auch wenn diese schon länger ohne große Ankündigungen von Sony auskommen muss) las man kaum etwas. Gerade ein paar Tage vorher schürte Sony die Erwartungen mit der Meldung dass mehrere neue Spiele angekündigt werden.

Und dann diese Show:

Schon die Pre-Show (wie bereits auf der E3 wurde vor der offiziellen Pressekonferenz eine kleine moderierte Show abgehalten, bei welcher kleinere Titel näher beleuchtet wurden) hatte Interessantes vom Kaliber eines Guacamelee 2, Final Fantasy XV Episode Ignis oder “nur” neue Trailer zu VR-Titeln wie Star Child.

Die eigentliche Show fing dann mit einem Spiel/Entwickler-Gespann an, auf welches ich NIE im Leben gewettet hätte. Infamous-Entwickler Sucker Punch arbeitet tatsächlich an einem Action/Stealth-Titel im Japan des 13.Jahrhunderts! Als der Trailer zu Ghost of Tsushima lief war ich noch der Meinung entweder ein neues von Sony bezahltes Shinobi oder das Hochglanz-Intro des nächsten Dynastie Warriors zu sehen. Ja, so eröffnet man eine Show.

Ähnlich interessant ging es weiter. Sei es mit einem ausgewachsenen FMV-Thriller Erica für die PlayLink-Reihe (Spiele die mit mehreren Freunden und deren Smartphone als Controller-Ersatz gespielt werden können, siehe That’s You!), ein ausgewachsenes Agenten/Heist-Spiel für PlayStation VR von Sony London Blood & Truth, oder das farbenfrohe Abenteuer Concrete Genie.

Dies wurde “gewürzt” mit frischen Trailern zu God of War, Spider-Man, The Last of Us Part II, oder zu Detroit Become Human. Das war dann leider auch der Punkt wo Sony’s PR etwas patzte. Während die (ohne Kontext etwas zu harte) Gewalt von TLoU 2 nur heftig wirkte, hätte man vor Detroit’s Abschnitt wirklich eine kleine Warnung zeigen können. Schließlich ist das Thema häusliche Gewalt in Spielen selten genug, und bei Filmtrailern wird auch auf mögliche Probleme hingewiesen.

Schön war auch der Trailer zum Horizon Zero Dawn DLC The Frozen Wilds, welcher von gif-Legende SunhiLegend selbst beim Entwickler vor Ort erstellt wurde. Das war eine nette Geste an die Community.

Dazu vergaß man aber auch nicht Multiplattform-Spiele. Überraschen konnte das an MotorStorm erinnernde ONRUSH von ehemaligen Driveclub-Entwicklern bei Codemasters. Es wurde der neue Destiny 2 DLC Fluch des Osiris angenkündigt und eine passende Kooperation mit Capcom’s Monster Hunter World in Form einer spielbaren Aloy (samt kleinen Sucher-Begleiter) angekündigt.

Das soll jetzt auch nicht zur einfach Aufzählung werden, Einiges habe ich bewusst ausgelassen. Schaut euch einfach die ganze Show oben, oder die Highlights an:

ABER so schön diese Präsentation auch einfach war, ebenfalls recht interessant sind die Schlüsse die man daraus ziehen kann. Diese betreffen vor allem Sony, aber auch generelle Entwicklungen der Branche.

  • Virtual Reality ist aus Sicht der großen Publisher aktuell kein Thema: Abseits des RE7 DLC waren großteils nur Indie-VR-Titel zu sehen. Egal ob Activision, Square Enix, oder Ubisoft, neue VR-Projekte zeigte Niemand. Nun muss sogar Sony selbst wieder in die Bresche springen
  • Indie-Titel noch immer ein wichtiges Standbein: Auch wenn die Indies aktuell eher bei Nintendo’s Switch ihre Hoffnung auf größere Verkäufe sehen (da dort das Software Lineup noch überschaubar ist), ist Sony weiterhin ein wichtiger Partner
  • starke Singleplayer-Spiele: Anders als der aktuelle Trend zeigte Sony von ihren eigenen Studios vor allem Story-lastige Singleplayer-Spiele, Lootboxen sind eher ein Thema für ihre kleinere Titel wie Everbody’s Golf.
  • made by Sony Japan selten: Abseits von GT Sports war das Thema der jap. Studios entweder Spiele mit kleinerem Budget (Knack 2) oder Remastered (LocoRoco 2). Kann sein dass langfristig doch wieder mal die Entwicklung eines JRPG gestartet wird, aktuell überlässt Sony aber dieses Feld vollkommen den westlichen Studios oder jap. unabhängigen Publishern
  • Sony’s westliche Studios mit ernsten Themen: Egal ob The Last of Us, Ghost of Tsushima, oder Blood & Truth, die erzählte Geschichte richtet sich großteils an Erwachsene. Weichte man hier Nintendo aus (die bei jüngeren bzw. universelleren Themen schon immer erfolgreicher waren), oder sieht man hier nur mehr Abnahmen? Oder sind es wirklich nur die jeweiligen Studiochefs die “Erwachsenere” Themen behandeln wollen?
  • kaum Spiele mit starken Mehrspieler-Parts: Klar auch The Last of Us Part II wird einen Onlinemodus im Gepäck haben, aber weder Koop noch Versus ist ein großes Thema bei den Sony-Studios. Bis auf GT Sports drückt man sich eher um diesen Bereich bzw. überlässt es einigen wenigen Spielen mit kleinerem Budget (Everybodys Golf), auch dieses Feld wird völlig Multiplattform-Publishern überlassen. Dabei kann niemand bestreiten, dass aktuell der Trend in eine stärkere Einbindung der Onlinekomponenten geht.
  • PlayStation Vita ist KEIN Thema mehr: Es sollte nach den vielen späten Absagen div. Ports kaum wundern, aber diese Messe hat die PS Vita außerhalb Japans nun offiziell zu Grabe getragen und es ist davon auszugehen, dass Nintendo’s Switch zukünftig diese Lücke füllen wird und kein weiteres Handheld von Sony

Natürlich muss man noch abwarten, was Sony auf der PSX am 08.12. zeigen wird. Ausgehend von den aktuellen Gerüchten, bleibt es dieses Jahr aber bei Updates und Fan-Services (also Lokalisierung zukünftiger Yakuza-Spiele zum Beispiel).

Ganz unerwartet sind diese Entwicklungen aber nicht. Sony hat LANGE versucht auch auf dem Mehrspieler-Boden Fuß zu fassen. Im Shooter-Bereich hat es weder mit Killzone noch mit Resistance geklappt, bei den früher recht erfolgreichen Marken SOCOM oder Warhawk holte man sich später auch nur noch ein blaues Auge nach dem anderen. Starke Story-Spiele mit viel Umfang & ernsten Themen wie The Last of Us oder zuletzt Horizon Zero Dawn kamen jedoch meist gut an. Kann sein dass Sony hier maximal aufbaut (Koop in Horzion oder Ghost of Tsushima), aber nicht mehr die Ambitionen früherer Tage verfolgt.

Schade ist dagegen dass Sony Japan so wenig liefert und VR auch nur noch von Indies getragen wird. Hier bleibt abzuwarten wie die weitere Zukunft aussieht, aber solange in beiden Fällen genug gute Spiele für UNS dabei raus kommen, kann man auch damit leben.

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