AdventureAngespieltVideospiel

Batman: The Enemy Within Episode 2 – „Der Superheld, der keine Treppen steigen konnte“

Anfang des Monats erschien die zweite Episode der zweiten Staffel von Batman – The Enemy Within. Die erste Folge hinterließ einen sehr guten Eindruck und schien alles besser zu machen als sein Vorgänger (Review). Doch wie sieht es mit der zweiten Episode aus?

Der Grafikstil ist nicht nur schärfer geworden, sondern ist nun auch haariger

Telltale-Spiele sind nicht gerade für ihre umwerfende Grafik bekannt, dennoch kann man von einem sehr guten Comic-Look sprechen, der die Geschehnisse wunderbar unterstreicht und auch etwas Brutalität abmildert. In The Walking Dead war dies auch nötig, um nicht geschnitten herauszukommen, aber auch Batman scheint diese Verharmlosung nicht zu schaden. Zudem entsteht durch diesen speziellen Look ein gewisses Comic-Feeling, dass vor allem DC und Batman Fans gefallen dürfte.

Was in dieser Folge besonders auffällt, sind Harley Quinns Haare. Mal trägt sie diese offen, mal hinter dem einen Ohr und mal hinter dem anderen Ohr. Dies mag sich jetzt sehr kleinlich anhören, dennoch hat es Harleys Auftreten um einiges gefördert.

Die Lichteffekte sehen wirklich klasse aus. Sie kommen vor allem dann in ihrer vollen Pracht zu tragen, wenn rötliches Licht die Charaktere bescheint. Sie kommen aber auch in anderen Situation voll und ganz zum Einsatz.

Es gibt kein wirkliches Gameplay

Die Produktionen von Telltale stehen nicht gerade für Gameplay. Wir können nicht klettern wie in einem Uncharted, wir können nicht springen wie in einem Crash Bandicoot und wir können nicht kämpfen wie in einem Arkham-Spiel. Was wir aber können, sind Dialoge spielentscheidend zu führen und unseren Charakter von A nach B zu bringen. Hierbei muss aber gesagt werden, dass Telltale mit den Jahren immer mehr Gameplay weggenommen hat. Konnte man in einem The Walking Dead kleinere viel zu leichte Rätsel lösen oder mit den Nebendarstellern sprechen, so läuft es bei Batman darauf hinaus, dass wir sprechen und ein Quick Time Manöver nach dem anderen ausführen. Das muss nicht unbedingt schlecht sein. Nach einem harten Arbeitstag oder eben nach einem langen Tag zum Entspannen ist das genau die Art von Spiel, die man braucht, um wieder runterzukommen, ohne sein Gehirn dabei anstrengen zu müssen – aber es wirkt auch repititiv und einfallslos. In der ersten Episode durften wir noch Riddler-Rätsel lösen, nun dürfen wir nur Bier holen und eine Schaltung betätigen.

Das, was aber mit am meisten stört, ist, dass Bruce noch nicht einmal eine Treppe alleine laufen kann. Wir haben in dem ganzen Spiel nur zweimal die Möglichkeit uns in einem sehr kleinen Raum zu bewegen. Beim zweiten Mal müssen wir dafür zweimal eine Treppe erklimmen, was dazu führt, dass dieses in einem kleinen Filmchen abläuft. An sich wäre das kein Beinbruch, wenn die Kamera nicht schlagartig umdrehen würde und es nicht so auffällig gezeigt werden würde. Telltale ist ein großes Studio und keiner kam auf die Idee, den Charakter auch mal Treppen steigen zu lassen. Mal abgesehen davon, dass Batman immer so herumläuft als hätte er sich in die Hose gemacht.

Die Nebendarsteller wirken DC historisch zwar nicht korrekt, Kreativität kann man aber wie Kunst betrachten

Kommen wir erst einmal zu den Guten. An Bruce Waynes Seite befinden sich in dieser Episode: Gordon, Alfred und Lucius Tochter.

Gordon ist sehr gut getroffen. Er ist ein in die Jahre gekommener Detective, der schon vieles in Gotham mitgemacht hat. Er weiß, wie die Bösen ticken und er weiß auch, dass Batman wegen eben diesen Bösen gebraucht wird. So entsteht eine sehr schöne Beziehung zwischen den Beiden, die auf Respekt und Freundschaft beruht.

Lucius Tochter, deren Nebenrolle nicht kleiner sein könnte, ist eine starke und intelligente Persönlichkeit, die stets versucht,  die Wahrheit herauszufinden. Sie würde eine gute Overwatch abgeben und würdig in Lucius‘ Fußstapfen treten.

Alfred ist leider nicht ganz so gut getroffen. Kennt man ihn aus den Comics als zwar alten, aber doch fähigen und geistesstarken Mann, so wird er hier eher als ängstlich, besorgt und kränklich dargestellt. Das Alfred in nicht wenigen Comics selbst mal am Steuer saß, um Batman auszuhelfen und eine elitere Kampfausbildung hat, kommt in der Telltale-Fassung einfach nicht rüber.

Die Bösen in diesem Schauspiel sind allgemeine DC-Superschurken-Kost. Wir sprechen von Bane, der sich gerne einmal eine Spritze mit Venom zugute führt, um Hulk ähnliche Kräfte zu entwickeln. Er ist eine reine Anführerpersönlichkeit, die seine eigenen Leute wie eine Miliz führt und genauso tödlich wie effizient seine Ziele verfolgt.

 

Der Joker war schon immer Batmans größter Feind, den er zu respektieren gelernt hat. In Telltales Fassung sieht das leider etwas anders aus. Hier wird John als dümmlicher Ex-Irrenanstaltshäftling verkauft, der von Harley Quinn an der kurzen Leine geführt wird.

Harley Quinn ist also nicht nur Superschurkin und Boss, nein, sie ist auch noch Jokers Mama…

Mr. Freeze scheint der Rocksteady Vorlage schon sehr getreu zu sein. Der Liebe wegen ist er zu dem geworden, was er nun ist. Ein gefühlloses Monster mit der Ambition, Menschen mit seiner Eiswaffe zu töten.

Die Geschichte und ihre nicht vorhandenen Verzweigungen

Ist Telltale doch eigentlich die Geschichte und die Dialoge sehr wichtig, so kommt die Geschichte in diesem Fall einfach nicht an. Batman, im Clinche mit Amanda Waller und Bane, verfolgt diesen und wird dabei schwer verwundet. Auf der Suche nach Bane kann er also seine Superkräfte nicht weiter einsetzen und muss als Bruce Wayne die Organisation unterwandern. Dies führt zu Schwierigkeiten, die nicht leichter hätten vorauszuahnen sein können als der nächste Kalendertag.

Die Geschichte ist dieses Mal wirklich schwach. Es ist so leicht vorauszusehen, was als Nächstes geschieht und wie Bruce Wayne wohl reagieren wird – ungeachtet der Dialogoptionen läuft es ja eh immer auf dasselbe hinaus.

So dümpeln wir umher, versuchen die Bösen für uns zu gewinnen und jammern über unsere Wunden, während wir die kindlichen Zankereien zwischen Waller und Gordon unter Kontrolle bringen müssen.

Fazit:

Ich mochte Telltale, ja, ich hab sogar alle möglichen Titel von diesem Studio gespielt, aber diese Episode war eine echte Enttäuschung. Man hat zwar mehr für’s Auge bekommen, aber wo sind die spannenden Dialoge, die fetzigen Charaktere und die Doppelzüngigkeiten hin, die jene Serien so interessant gemacht haben?

Da dies erst die zweite Episode von fünf ist, kann man nur hoffen, dass die Geschichte noch einmal an Fahrt aufnimmt und vielleicht sogar die erste Episode noch einmal übertrifft. Bislang bin ich jedoch noch nicht überzeugt und rate vom Kauf ab, bis alle Episoden erschienen sind, was wohl noch bis Anfang nächsten Jahres dauern wird…

Natürlich könnte sich das alles in die Länge ziehen, wenn sie weiterhin Fotos von echten toten Diplomaten in ihre Werke einbauen, die sie dann nachträglich entfernen müssen…

…indem sie einfach den Bildausschnitt verkleinern?!

Tags:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*