FilmHorrorReview

ES: Kitsch oder neuer Kult?

Ja, ich hatte in meiner Kindheit etwas Angst vor Clowns und ja, die aus heutiger Sicht total kitschige TV-Miniserie ES von Anfang der 90er ist Schuld daran. Umso gespannter war ich, als angekündigt wurde, dass der Horror-Klassiker von Stephen King erneut verfilmt werden sollte. Dieses Mal aber für die große Leinwand mit richtigem Budget.

Ist IT ein zeitgenössischer Horror-Streifen, ein weiterer Film, der auf der aktuellen 80er Welle schwimmt, oder nur eine weitere Neuverfilmung, die niemand gebraucht hätte?

Gleich vorweg: Keines der Drei. Ja, es sind ein paar Jumpscares in IT (wie man sie leider in aktuellen Horrorstreifen erwarten muss) und es gibt auch ein paar Stellen, die haben mir echt die Nackenhaare aufgestellt. Zu keiner Zeit fühlte ich mich aber wirklich, wie in einem gruseligen Horrorfilm.

Andy Muschietti melkt aber auch nicht die 80er Welle (die Handlung spielt Ende der 80er). Man hält sich mit der Thematik sogar viel mehr zurück, als die dafür so geliebte Netflix-Serie Stranger Things.

Aber der Film ist am allerwenigsten ein Remake der TV-Serie. Es gibt ein paar Anspielungen, aber es ist im Großen und Ganzen eine zeitgemäße Interpretation des ersten Teils des Buches.

ES ist ein Thriller mit Horrorthematik, würde ich sagen. Man sieht, wie sich die Kinder in die Hosen machen vor Angst, ohne sich selbst dabei wirklich zu fürchten. Klar, eine besonders schreckhafte Person wird sich auch schon mal in den Kinosessel vergraben, aber wenn man sich einen “Horrorfilm” mit der Freundin anschauen kann, dann diesen hier.

Tatsächlich konzentriert sich der Film viel eher auf den Aufbau und die Darstellung der Kinder und ihrer Ängste, Hoffnungen und Plagen im Alltag. ES ist dabei nur die Konfrontation in überzeichneten Formen mit eben diesen Ängsten.

der Club der Verlierer

Dadurch wachsen einem die Kids SEHR schnell ans Herz und man fiebert mit ihnen fast so stark mit, wie mit der Bande aus Stranger Things. Tatsächlich tun sich hier einige Parallelen auf, wobei klar ist, dass die Netflix-Serie hier eher von den Büchern inspiriert ist als der Film ES von dieser erfolgreichen Serie.

Die Verlierer einer Schulklasse geraten im Laufe der Handlung unfreiwillig in den Wirkungskreis eines übernatürlichen Wesens, welches sie ES nennen. Dieses begegnet ihnen meist in Form des Clowns Pennywise. Sowohl die Kids als auch der Clown sind nahezu perfekt gecastet und überzeugen mit einer wahnsinnigen Performance. Besonders Sophia Lillis in der Rolle von Beverly “Bev” Marsh und Jeremy Ray Taylor als Benjamin “Ben” Hanscom wissen zu überzeugen.

Interessanterweise sind hier die Erwachsenen nicht weniger schreckliche Gestalten als das Böse an sich. Egal, ob die übervorsichtige & deutlich übergewichtige Mutter oder der gruselige Vater (ein Missbrauch oder Gewalt wird hier nicht explizit dargestellt, sondern nur angedeutet). Aber nicht nur ES oder “normale” Erwachsene machen ihnen Probleme, auch eine Gruppe älterer Kinder versucht dem “Klub der Verlierer” , das Leben zu schwer wie nur möglich zu machen.

Links und Rechts mit Gefahren konfrontiert ist es umso erstaunlicher, dass sie beschließen, dem Bösen ES Einhalt zu gebieten, denn zusammen scheinen sie mehr Erfolg zu haben.

ES in der Form des Clowns Pennywise

Dank dem größeren Budget und der Möglichkeiten der heutigen Zeit, kann man bei der Darstellung von Pennywise auch viel tiefer in die Trickkiste greifen und so besteht eine Chance, dass hier die Effekte nicht so schnell veraltet wirken, wie beim TV-Zweiteiler.

Auch der Sound ist der Wahnsinn, egal, ob er (teils sogar etwas übertrieben) wuchtig mit Effekten protzt oder mit zeitgenössische Musikthemen gezielt das Feeling der ausgehenden 80er vermittelt.

Fazit: Ich war anfangs skeptisch und dachte, dass Hollywood hier “nur” wieder mal auf Nummer Sicher geht und schnell noch abkassieren will, solange die 80er Nostalgie-Welle noch läuft. Entsprechend überrascht war ich von den vielen positiven Kritiken und dann schlussendlich vom Film im Kino selbst. Ja, es trägt auch zur Atmosphäre bei, wenn man den TV-Film damals gesehen hat oder Albträume nach dem Lesen des Buches hatte, aber auch auf sich alleine gestellt, ist Muschietti ein toller Thriller gelungen, bei dem ich mich schon auf Kapitel 2 freue.

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