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Atomic Blonde – Style over Substance?

Etwas gespalten sind die Meinungen über den Spionage-Thriller mit und von Charlize Theron. Die begabte Schönheit spielt dabei nicht nur die Hauptrolle, die MI6-Topagentin Lorraine Broughton, sondern produziert den Film auch mit. Regie führt dabei David Leitch, der schon zusammen mit seinem Stunt-Kollegen Chad Stahelski für John Wick (Review) verantwortlich war und 2018 bei Deadpool 2 zeigen will, was er drauf hat.

Der Film basiert auf der Grafiknovelle The Coldest City und spielt in Berlin Ende der 80er, wenige Tage vor dem Fall der Mauer. Ist er wirklich ein lediglich optisch schönes Werk, übertriebener Actionstreifen, oder gar ein reinrassiger Spionage-Thriller?

Eines vorweg, wer glaubt ein John Wick mit Theron in der Hauptrolle zu sehen: NEIN, das ist er nicht! Die Werbung zeigt euch quasi einen anderen Film, denn so gut die Action-Einlagen auch sind, sie sind stets glaubhaft und trotz allem meist bodenständig.

Leitch hat hier tatsächlich versucht, einen an sich trockenen Spionage-Film mit viel Musik und Farben dieser Ära aufzulockern. Gerade am Anfang ist der Film dadurch leider etwas unrund, kommt langsam in Fahrt und wirkt durch die nicht mehr ganz zum Zeitraum passende Neon-Färbung (und auch einiger Songs) etwas gewollt in gewisse Bahnen getrimmt.

Dabei schafft er gerade mit dem gewohnt fantastischen Einsatz von Theron, die nicht davor zurückschreckt, ihren auf abgenutzt getrimmten Körper zu zeigen, die Müdigkeit dieser Zeit vor allem in Spionage-Kreise zu zeigen. Man merkt,  dass der kalte Krieg nun schon zu lange dauert und sich bei vielen in der Branche eine starke Eingewöhnung bzw. Müdigkeit einstellt.

Eine Schwarz/Weiß-Optik hätte diese Stimmung noch besser getragen, als die übertrieben bunten Kontraste mancher Kulissen. Sehr überzeugend ist hier auch James McAvoy, der in der Rolle des MI6-Agenten vor Ort schön zeigt, dass man sich auch etwas zu sehr an ein Alter-Ego gewöhnen kann.

Theron und McAvoy

Etwas farblos wirken leider die Russen bzw. Sowjets , die hier deutlich weniger Facetten zeigen dürfen und als gewöhnliche Bösewichte herhalten.

Primär geht es um eine Liste bzw. den Schmuggel dieser Liste und des Überbringers (ein ehemaliger Stasi-Agent gespielt von Eddie Marsan) auf die westliche Seite. Dabei wird schnell unklar, wer Freund und wer Feind ist. Dies, gepaart mit dieser Müdigkeit bzw. Abnützung, funktioniert tatsächlich als guter Thriller, die Highlights sind dann aber doch in den wenigen Action-Szenen.

Denn hier merkt man, wie schon bei John Wick, dass die Regie ein Stuntman führt. Noch nie habe ich in einem Agenten-Film so beeindruckende und gleichzeitig glaubwürdige Kampfszenen gesehen. Hier dominiert nicht ein Charakter. Klar ist Broughton ihren Feinden eine Nasenspitze voraus, aber auch nur aufgrund ihrer Erfahrung und dank des Überraschungselementes. Sie kämpft nie gegen mehr als 1-2 erfahrene Gegner gleichzeitig und wird im Laufe dieser Szenen bzw. generell im Film ganz schön übel zugerichtet. Man fühlt formlich die Schmerzen, wenn Broughton und ihr Gegenüber, deutlich mitgenommen, kaum mehr stehen können und trotzdem den/die Andere(n) ausschalten müssen.

Das ist fantastische (Stunt-)Arbeit und da können sich selbst die letzten Bond-Filme eine schöne Scheibe abschneiden! Es lohnt sich fast alleine wegen dieser Szenen den Film zu sehen, auch wenn man sonst mit der Thematik nicht viel am Hut hat.

Leider übertreibt man es dann am Ende etwas mit dem “wer ist gut, wer böse”-Spiel und ich merkte, wie im Kino die Leute beim Abspann nicht mehr wussten, wer jetzt für wen arbeitet.

Auch passt es nicht, dass nach all dieser Schwermütigkeit, der Film dann am Ende etwas ins Comic-hafte abdriftet. Dafür waren die vorherigen 100 Minuten zu sehr geerdet in meinen Augen.

Trotzdem bin ich positiv überrascht aus dem Kinosaal gegangen. Atomic Blonde ist kein Actionstreifen, wie die Werbung suggeriert und ich habe auch schon bessere Spionage-Thriller gesehen (Spy Game, Dame, König, As, Spion oder Argo). Aber kein Film zuvor hat diese etwas trostlose Atmosphäre gegen Ende des kalten Kriegs so gut vermittelt, wie Atomic Blonde und kein dieser Filme hatte auch nur ansatzweise so glaubwürdige Action-Szenen.

Wer Fan von beiden Elementen ist, sollte sich das unbedingt im Kino ansehen. Als Bonus bekommt ihr auch noch einen guten Soundtrack der ausgehenden 80ern bzw. noch die besseren Stücke Anfang der 90er.

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