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Duke Nukem – Wir stellen vor

Er ist ca. 1,90 Meter groß und wiegt stolze 109 Kilogramm. Nicht zu viel und nicht zu wenig. Dazu ein rotes Muskelshirt, eine noch peinlichere Frisur und eine Sonnenbrille, wie sie die Helden aus den 90igern eben trugen. Fertig ist die CIA-Kampfmaschine, die immer einen flotten und schlüpfrigen Spruch auf den Lippen hat. Hail to the king, baby! Da macht ihm sein Ego mal wieder ein Strich durch die Rechnung. Der König ist verdammt tief gefallen und macht nach vielen, vielen Jahren eine derbe Bruchlandung und einen Bauchplatscher, den selbst sein mit Muskeln übersäter Torso nicht abfedern konnte.

Doch wie kam es denn eigentlich dazu und weshalb hat die Entwicklung von Duke Nukem Forever so unsäglich lange gedauert? Alles begann im Jahre 1991 – 3D Realms (damals noch Apogee Software) vertrieben das erste Spiel der Serie als Shareware, Abschnitt 1 war kostenlos. Für den 2. und 3. Abschnitt musstet ihr bezahlen. Es war ein sogenanntes Jump ’n‘ Run-Game – ihr bewegt eure Figur klassisch von links nach rechts und erledigt den Pixelbrei der sich euch in den Weg stellt. Das sah dann so aus …

Nebenbei und ganz interessant zu wissen: Duke Nukem wurde sogar kurz nach Release in Duke Nukum umbenannt. Warum? Bei Captain Planet (original: Captain Planet and the Planeteers) gab es einen Bösewichten der ebenfalls Duke Nukem hieß. Also ging man bei Apogee Software davon aus, das der Name geschützt sei und um Streitigkeiten aus dem Wege zu gehen, entschloss man sich für die Namensänderung. Die Annahme stellte sich aber als falsch heraus, so änderte man erneut den Namen – zurück in Duke Nukem und schützte den Namen einfach selbst. Streitigkeiten suchte der Entwickler aber nicht. 

Ich rede genau von dieser Serie.

Zurück zum Duke. Im ersten Werk kämpft ihr gegen den natürlich verrückt gewordenen Professor Dr. Proton und seiner gefährlichen Roboterarmee. Aufgrund der positiven Reaktionen und Erfolge wurde zügig am Nachfolger gearbeitet. Der schlicht und einfach auf Duke Nukem II hörte und ein Jahr nach den Ereignissen von Teil 1 spielt. Dieses mal wird die Welt von einer Alienrasse bedroht und die Erdlinge sollen versklavt werden. Wer rettet die Menschheit? Na klar, der Zigarre rauchende Muskelprotz. Grafisch sah das Spiel verbessert aus und war ebenfalls ein Shareware-Titel, Abschnitt 1 von 4 war kostenlos.

3D Realms war im Videospielkosmos angekommen und wollte weiterhin oben mitmischen. Mittlerweile hatte sich der Markt aber ein wenig verändert und Titel wie Doom oder ein anderer sehr bekannter Shooter eroberten den Videospielmarkt im Sturm und waren in aller Munde. So sollte auch Duke Nukem ein großes Stück vom Kuchen abbekommen. Das gelang ihm auch. Duke Nukem 3D erschien 1996 und wurde hierzulande erst im Januar 2017 vom Index genommen. Die Story ist so bekloppt und hirnrissig, wie es eben manchmal in den 90igern üblich war. Haltet euch fest: Außerirdische, mal wieder, entführen Frauen die nackt als Geiseln gehalten wurden. Das geht natürlich nicht und so müsst ihr diesem Wahnsinn wieder einmal entschlossen entgegen treten und die holden Damen retten. Wer Bock auf diesen bescheuerten Trip hat, kann das heute auch ganz einfach auf dem PC, der PS4 und Xbox One nachholen.

So weit so amüsant und so weit so gut. Duke Nukem 3D sahnte verdammt gute Wertungen ab und gehört definitiv zu den Klassikern. Zu dem was irgendwie jeder kennt. Sind es die dummen Sprüche, die Gewalt oder die Frisur. I’ve got balls of steel! Die hatte er zumindest noch so lange, bis man sich an die Arbeit zum nächsten Projekt machte. Natürlich galt die volle Motivation dem weiteren Ausbau des Duke Nukem-Franchises. 1997 startete 3D Realms und der geplante Release war für 1998 angegeben. Das erste Problem war die von Ken Silverman entwickelte Build-Engine. Die Engine fand in vielen Titeln aus den 90igern zwar ihre Verwendung, war aber bereits in die Jahre gekommen und für die nächste Stufe, die Duke erklimmen sollte, definitiv nicht die erste Wahl. Also sprang man auf die schickere und modernere Quake-II-Engine um.

1997 ließ man auch gleich Screenshots veröffentlichen und ich weiß noch wie ich damals die Bilder sah und es mich einfach nur umhaute! Das sah fotorealistisch aus und ich habe noch nie etwas besseres gesehen. Nun, im Nachhinein habe ich keine Ahnung wie ich das jemals denken konnte – aber so war das eben und solche Auswürfe der Begeisterung folgten eigentlich zu jeder neuen Konsolengeneration. Hier gibt es den packenden und viel zu langen Trailer zu Duke Nuken Forever aus dem Jahre 1998.

Da man aber definitiv eine grafisches Brett abliefern wollte, sprang man erneut auf eine andere und moderne Engine um, die Unreal Engine erschien und warf das Projekt zunächst zurück. Aber auch der Publisher wechselte nicht nur einmal. So war es zunächst GT Interactive Software, die bei dem ständigen hin und her aber nicht mehr mitmachen wollten und so zeigte sich Gathering (war mal eine Tochtergesellschaft von Take-Two Interactive) interessiert. Mittlerweile habe wir das Jahr 2001 erreicht, Duke Nukem Forever befand sich nach wie vor in Entwicklung und aufgrund eben dieser Tatsache, wollte 3D Realms seine Fans und auch die Kritiker milde stimmen. Mit einem neuen Trailer, der wieder einmal zur damaligen Zeit beeindruckte.

Tatsächlich gefällt der Trailer heute noch und ich erinnere mich wie ich damals die Gamestar durchblätterte, die Screenshots sah, später den Trailer und der Release zu diesem Prachtstück nie näher schien. Gefühlt zumindest und in meiner Fantasie. Pustekuchen. Der Gathering Gründer verstarb und das Unternehmen geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Die Büros mussten geschlossen werden und Gathering wurde gänzlich in Take-Two Interactive integriert. Die Anzahl der Mitarbeiter bei 3D Realms war indes auf magere 16 geschrumpft und erscheinen sollte das Spiel nun Ende 2004/Anfang 2005. Gerüchte um einen erneuten Engine wechsel machten die Runde; id Tech 4-Engine (Doom 3) sollte angeblich die Qual der Wahl sein. Dies wurde aber dementiert.

Wir schreiben das Jahr 2006 – noch immer kein Duke Nukem Forever und laut Entwickler seien die Hauptelemente des Spiels fertiggestellt. Eine erneute Vorstellung bei Journalisten erfolgte. Jedoch kam es zu Konflikten zwischen Take-Two und 3D Realms. Ein Teil der Entwickler verließen das Studio. In den Jahren antwortete man auf Fragen, wenn es denn nun endlich fertig sei, nur noch mit dem Satz: „When it’s done.“ Ein Running Gag und der muskelbepackte Raufbold verlor immer mehr von seiner Glaubhaftigkeit. News und Ankündigungen zum Spiel selbst wurden kaum mehr ernst genommen.

Im Jahre 2007 wurden weitere Screenshots veröffentlicht, um neue Mitarbeiter für das Projekt zu gewinnen. Es gab noch so mutige Menschen und die Zahl der Entwickler stieg. Außerdem wurde ein neuer Trailer veröffentlicht, weiteres Videomaterial folgte 2008.

Gute 10 Jahre sind mittlerweile vergangen und das sich Projekte nicht ewig halten, bzw. Geld in den Jahren ausgegeben wird, ist irgendwann der Punkt erreicht, an dem die Kassen leer sind, wenn man nichts neues in die Verkaufsregale stellt. Auch haben Publisher irgendwann die Schnauze gestrichen voll. 3D Realms bat Take-Two um weitere 6 Millionen Dollar. Take-Two bot den Jungs und Mädels 2,5 Millionen Dollar für die weitere Entwicklung an und weitere 2,5 Millionen, wenn es dann endlich veröffentlicht wird. Nach diesem Angebot wurden die Arbeiten an dem Spiel eingestellt.

Es kam zu klagen und Schlammschlachten. Take-Two verklagte 3D Realms, schließlich flossen schon im Jahre 2000 bis zu 12 Millionen Dollar. Nun wird es etwas schwierig. Take-Two verlangte den gesamten Code vom Spiel und 3D Realms habe nie Geld erhalten. Die Fetzen flogen. Wie sich am Ende ganz genau geeinigt wurde, ist mir leider nicht bekannt. Den Schlussstrich unter diesen ganzen Misere zog Gearbox. Diese stellten das Spiel innerhalb von nur einem Jahr fertig, nach dem zuvor 14 Jahre vergangen waren. Kaum vorstellbar für meine Augen und Ohren. Als Publisher hielt im übrigen weiterhin Take-Two beide Backen hin. Spaß hat es mit Sicherheit gemacht, denn nach der ewig langen Entwicklungszeit legte das Franchise bekanntermaßen eine ziemliche Bauchlandung hin. Bei metacritic erreicht Duke Nukem Forever eine Durchschnittswertung von 50%. Das Spiel sah nicht mehr zeitgemäß aus, es spielte sich unrund und wurde auch nicht im Ansatz den großen Erwartungen gerecht. Fail to the king, baby!

Zum Abschluss noch ein wenig zum Schmunzeln, denn Auszeichnungen erhielt der Duke viele! Ganz besonders oft die Vapoware-Auszeichnung! (Varpoware = Produkte deren Fertigstellung/Auslieferung sich mehrfach verschieben oder nie erfolgen) Insgesamt 9 mal konnte der Preis abgeräumt werden: von 2000 – 2003 / von 2005 – 2008 / ein letztes Mal 2010. Man erhielt sogar den Vapoware Lifetime Achievement Award im Jahre 2003 und George Broussard (Einer der Gründer von 3D Realms) nahm den Preis mit den Worten: „Wir sind zweifellos spät dran und wir wissen es.“ entgegen.

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