Tech-Talk

Shadow Cloud Computing Service

Marco, Anja, Alex und ich verbrachten den heutigen Tag zusammen auf der Gamescom 2017 in Köln und hatten einen erstaunlich straffen Terminplan.

Marco und ich hatten zwar Augenränder bis zum Kinn, aber unter Zuhilfenahme von massiver Hardcore-Punk-Beschallung während der Autofahrt konnten wir unser Gehirn halbwegs auf Betriebstemperatur bringen. Direkt in den frühen Morgensstunden stand dann auch schon unser erster Termin bei den Jungs von Shadow an. Wir trampelten also verballert zum Eingang des Messezentrums und fanden uns nach einer eher stümperhaften Durchsuchung in den noch recht leeren Gefilden der Gamescom wieder. Uns begrüßte eine leicht verrückte Dame am Stand von Shadow und blödelte ein wenig herum. Symphatisch – Und das unbehagliche Gefühl wich direkt der Vorfreude auf das, was uns in den kommenden 30 Minuten präsentiert werden sollte.

Nachdem wir etwas planlos den Stand betraten, erhob sich auch direkt einer der Entwickler vom Sofa, um uns in Empfang zu nehmen. Uns wurde direkt ein Bier angeboten, wir bedienten uns jedoch vorrangig an den herumliegenden Schokoriegeln (oder war das nur ich!?). Egal. Bier um 9 Uhr war auf jeden Fall nicht das, was wir erwarteten 🙂

Der Termin startete mit der Frage, was Shadow denn zum Teufel überhaupt sei:

Es handelt sich dabei um einen sogenannten Cloud Computing Service. Das bedeutet im Grunde, dass ihr einen Computer mietet, der irgendwo steht – nur halt nicht bei euch daheim. Ihr könnt jedoch mit allen möglichen Endgeräten auf diesen gemieteten Rechner zugreifen und diesen genauso nutzen, als würde er unter eurem Tisch stehen. Auf den Kisten läuft ein normales Windows 10, jedoch wird die Hardware stets auf extrem hohem Niveau gehalten. Ihr verbindet euch also mit jedem x-beliebigen Gerät auf den Service und installiert euch was ihr wollt – Beispielsweise Steam. Dort kauft ihr eure Games oder nutzt einfach die, die bereits in eurer Bibliothek schlummern.

Die Idee ist keineswegs neu. Bisher hatten Cloud-basierte Gaming-Lösungen allerdings immer den faden Beigeschmack von Lags, Verbindungsabbrüchen und mieser Bildqualität. Beim Shadow-Service gehören diese Dinge aber wohl tatsächlich der Vergangenheit an, zumindest konnten wir uns davon weitestgehend überzeugen. Präsentiert wurde uns das neueste Tomb Raider, dass wir in gestreamter Form antesten durften. Ich für meinen Teil habe absolut keine Latenzen feststellen können (und ich bin tatsächlich verflucht sensibel für sowas). Es war wirklich so, als würde ich auf einer lokalen Maschine spielen. Wie genau die Jungs das hinkriegen wird mir wohl auf ewig ein Rätsel bleiben, aber sei es drum. Es muss irgendetwas mit dem kleinen Hardwarebrocken Namens „Blade“ zu tun haben, den man sich – statt einem PC – an den Monitor klemmt.

Erfahrene Spieler können laut Emmanuel Freund bis zu einer Latenz von 20 ms Unterschiede wahrnehmen, Normalos bemerkten dagegen ab 50 ms angeblich keinen Lag mehr. Die verbaute Hardware in der Box soll sicherstellen, dass den Ansprüchen eines Pro-Gamers an Latenz und Bildqualität Genüge getan wird, was scheinbar tatsächlich funktioniert. Wie aber bereits erwähnt wird dieses „Blade“ nicht zangsläufig benötigt. Der Shadow Service lässt sich auch über jeden (Android-) basierten SmartTV, sowie allen möglichen Android-Smartphones nutzen. Auf diesem Wege erhöht sich der Lag allerdings geringfügig und soll der Streamingqualität einer Konsole gleichen.

Wie auch immer. Uns hat der Service überzeugt. Der monatliche Preis soll bei 29€ liegen. Das erscheint auf den ersten Blick recht teuer, wenn man sich jedoch überlegt, was ein Highend-Windowsrechner in der Anschaffung kostet, könnte sich das ganze für eine breite Masse rentieren. Die Tatsache der ständigen Hardware-Upgrades, die man als Gamer in Kauf nimmt, sei dabei mal völlig außen vorgelassen. Es ist einfach eine ziemlich geile Nummer, Tomb Raider mit einem Smartphone-Controller-Verbund gemütlich daheim im Bett zu zocken (sofern die Frau – falls vorhanden – das Einverständnis erteilt).

Wir durften das übrigens für euch testen. Also die Sache mit dem Bett, nicht mit der Frau. Die Frau war in diesem Falle Marco. Eine hässliche Frau.

Natürlich bleiben euch neben der Zockerei auch alle anderen Anwendungsmöglichkeiten einer Highend-Kiste erhalten. Was auch immer ihr machen wollt, sei es Videoediting, Grafikgedöhns oder 3D Modelling. Alles lässt sich prima via Remote mit diesem Service realisieren. Es ist nunmal „euer Rechner“, der lediglich nicht bei euch zuhause steht.

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