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Da “heitzen” die Zwerge den Büchern richtig ein

Die Zwerge erschien am 01. Dezember 2016 und stellte die Geschehnisse des ersten Bandes der gleichnamigen Buchreihe “Die Zwerge” von Markus Heitz dar. Doch wie nah ist das Spiel an die Bücher herangekommen und lohnt es sich, das Spiel zu spielen, wenn man die Bücher schon kennt? Oder lohnt es sich, die Bücher zu lesen, nachdem man das Spiel gespielt hat?

Zwerge sind stolz und sie sind Kämpfer – die perfekte Grundlage für ein Spiel

Die Zwerge dreht sich um den überaus symphatischen Zwerg Tungdil, der, als er noch sehr klein war, von seinem Stamm ausgestoßen wurde und von einem Magus Lot-ionan unter Menschen aufgezogen wurde. Durch seine Andersartigkeit und seinen zwergischen Wurzeln gerät er immer wieder mit den Menschen und vor allem den jüngeren Zauberlehrlingen in Konflikt. Eines Tages eskaliert der Konflikt zwischen ihm und seinem Nemesis Josolin -ebenfalls ein Zauberlehrling des Magus. Der Magus ist sehr empört von dem Verhalten der Beiden und schickt Tungdil in die Welt hinaus, um einem alten Bekannten des Magus –Gorén– magische Artefakte zu bringen. So bricht Tungdil teils schweren Herzens – getrennt von seiner besten Freundin Frala und ihren Kindern- und teils abenteuerlustig in die große Welt auf, auf der Suche nach dem einstigen Magieschüler Lot-ionans und hoffnungsvoll, anderen Zwergen zu begegnen. In Lot-ionans Reich hatte Tungdil bis zu diesem Zeitpunkt nämlich noch nicht das Vergnügen, Leuten seiner Art zu begegnen.

Tungdil Bolofar liebt seine Schmiede

Trotz der Streitigkeiten, die er mit den Magieschülern hatte, so wurde er doch immer mit Respekt behandelt. Als er jedoch auf seiner Reise anderen Menschen begegnet, wird er als “Unterirdischer” betitelt und kann kaum Höflichkeit von den Menschen bzw. “Langen” – wie sie die Zwerge gerne nennen – erwarten. Natürlich geht auf dem Weg nach Grünhain alles schief, was nur schieflaufen kann. Er wird von Orks und mächtigen Albae -die böse Form von Elben– angegriffen. Zum Glück muss Tungdil nicht lange allein kämpfen. Er ist zwar ein Zwerg und die sind bekanntlich gute Kämpfer, jedoch hat er nie eine Kampfausbildung erfahren und ist deswegen im späteren Verlauf auch als “Gelehrter” unter den Zwergen bekannt. In einer besonders heiklen Situation wird Tungdil von zwei Zwergen gerettet: Boendal und Boindil. Die beiden Gefährten, die den Auftrag haben, ihn sicher ins Zwergenreich zu eskortieren, um einen Streit um die königliche Nachfolge zu schlichten, werden seine Freunde und mit ihnen kämpft er ums bittere Überleben. Auf ihrer weiten Reise begegnen sie ständig neuen Gefahren, treffen aber auch auf neue Freunde mit neuen Fertigkeiten. Sie treffen andere Zwerge, Magier, Geschöpfe Tions, Schauspieler, Techniker und sogar eine Halbalbin!

Wenn die Gegner in der Überzahl sind, reichen 2 Zwerge locker aus, oder?

Hat die Reise so trivial angefangen, geht es doch später um weit mehr als nur um die Artefakte oder die königliche Nachfolge. Tungdil und seine Mitstreiter müssen das Geborgene Land schützen, verteidigen und einen noch nie zuvor dagewesenen Feind bekämpfen, der alle Menschen und anderen Kreaturen auslöschen und versklaven möchte. Dies gelingt ihm auch teils durch die Wiedererweckung der zuvor getöteten Feinde. So werden aus toten Freunden ganz schnell übermächtige Feinde.

All das Böse kann natürlich nur mit einer ganz besonderen Waffe, der Feuerklinge, vertrieben werden, die von ganz besonderen Zwergen diverser Herkunft und mit ganz besonderen Materialien geschmiedet werden muss. Und ab diesem Punkt beginnt die eigentliche Reise des Helden Tungdil.

Die Karte ist anfangs noch recht karg, doch es werden schnell neue Ereignisse hinzukommen

Die Geschichte ist einfach großartig und so ziemlich das Beste, was seit Herr der Ringe an Fantasy herauskam. In den Büchern ist die Reihenfolge etwas anders, so mancher Begleiter kommt erst sehr viel später vor oder es gibt noch Rückblenden oder einfach nur kleine Einschübe, um zu zeigen, was die Feinde oder die Menschen gerade so machen. Im Spiel ist das alles viel fokussierter und in einer Reihenfolge, die dem Spiel etwas mehr zugute kommt. So bekommen wir recht am Anfang eine Gefährtin, die sehr stark ist und das Spielgeschehen positiv fördert, die in den Büchern eigentlich erst sehr viel später und spektakulärer auftaucht. Aber das tut dem Spiel keinen Abbruch, denn es macht weiterhin Sinn, dass sie an dieser Stelle auftaucht.

Hier spricht Tungdil mit seiner besten Freundin Frala

Das Kampfsystem ist überaus dynamisch. Wir haben ein Echtzeitkampfsystem, dass ähnlich ist wie Diablo, jedoch sehr viel mehr taktische Elemente hat. Es gibt Friendly Fire, Gegner können in Scharen verschoben werden und auch unsere Mitstreiter können durch unser Missgeschick in den Tod stürzen. Man hat je nur 3 Fähigkeiten zur Auswahl und kann beliebig oft die Leertaste für eine kleine Pause bzw. einen besseren Überblick, drücken. Die Pause-Funktion ist sehr wichtig, da man alle Charakter steuern kann und auch muss, um die Kämpfe bestreiten zu können. Doch diese zusätzliche Steuerung der Charaktere macht es manchmal nur umso schwieriger, den Überblick zu behalten und das Kampfgeschehen positiv zu beeinflussen. Die Gegner sind immer in einer massiven Überzahl und der Rückzug ist ein Spielelement, das man nutzen muss. Eine Position kann man selten gut verteidigen, meist muss man die Karte gut im Blick halten, zurückweichen, vorpreschen und sich eine erhöhte Position suchen. Das macht zwar alles Spaß und gibt dem Spiel Atmosphäre, es ist jedoch auch oft einfach nur frustrierend, wenn man einen Kampf nicht schafft, weil man die falschen Gefährten dabei hat oder diese schon wieder kaum Lebensenergie haben, weil die KI etwas anderes gemacht hat, als man von ihr wollte.

Das Spiel ist echt hart und unbarmherzig

Neben dem doch sehr harten Schwierigkeitsgrad gibt es leider kaum nennenswertes Gameplay. Man hat eine recht große Karte, die man mit einer Schachbrettfigur nach und nach abarbeitet. Dafür gelangen wir in ein Schlauchlevel nach dem anderen, wo es dann gilt, Gegner zu töten, zu entkommen oder das Gebiet zu erforschen. Es geht erst dann weiter, wenn man alle Aufgaben erfüllt bzw. alle für die Geschichte wichtigen  Interaktionsobjekte gefunden hat. Der Wechsel ist sehr ausgewogen, wir haben meist ruhige Phasen, die auf actiongeladene Phasen folgen.

Natürlich sollen wir alle 60 Orks töten, ist ja ein ausgeglichener Kampf für einen Zwerg

Die Dialoge, die das Kernelement des Spiels darstellen, sind super. Die Charaktere fühlen sich alle wie die Buch-Charaktere an. Auch Boindil mit seinem “Oink, Oink, kleine Schweinchen” kommt in diesem Abenteuer nicht zu kurz. Es ist vor allem schön, wie gut die Charaktere zum einen in ihrer Sprache und zum anderen aber auch im Aussehen dem gleichen, was Markus Heitz in seinen Büchern vermittelt. Sie entsprachen erstaunlicherweise ziemlich genau meinen Erwartungen.

Hier ärgern wir Josolin, indem wir uns sehr viel Zeit lassen, damit seine Last nicht zu kurz kommt

Das Inventar und die Fähigkeiten sind leider etwas selten. Meist hat man nur ein bis drei Items, die wirklich den Unterschied machen, weil sie Fähigkeiten aufladen oder die Lebensenergie erhöhen. Es gibt keine neuen Rüstungen und auch keine neuen Waffen. Man kann insgesamt gut zwischen 10 Fertigkeiten im kompletten Spiel wählen – etwas schade.

Unser mageres Inventar der ersten Spielminuten

Grafisch ist das Spiel nicht mit einem AAA-Titel zu vergleichen und das sollte man auch nicht tun. Es sieht sehr hübsch aus, man sieht die Liebe der Entwickler für Details und man sieht auch die Arbeit, die in dieses Spiel geflossen ist. Die Level sind nicht ganz so hübsch designt, da sie meistens aus Matsch-Farben (Braun, etwas grün, grau, schwarz) bestehen. Dann gibt es aber auch Ausnahmen, wie die Festung der Zweiten: Ogertod. Die Burg ist sehr gut gelungen und es kommen sehr viele Farben zum Einsatz, die die Atmosphäre wunderbar unterstreichen.

Die von Zwergen verhasste Magie ist ein großer Bestandteil

Die Atmosphäre ist sehr dicht, man fühlt mit den Charakteren und der ein oder andere Lacher bleibt uns nicht verwehrt. Vor allem da Tungdil mit seiner menschlichen Art immer wieder an die ruppige Art der Zwerge stößt, wird ein sehr schönes Gleichgewicht der Stimmung eingefangen.

Zwerge hassen Elben fast so sehr wie sie Orks oder Albae hassen

Kommt das Spiel also an das Buch heran und umgekehrt? Wer das Buch schon einmal gelesen hat, kann sich gut und gerne auch das Spiel anschauen. Es ist eine nette Bereicherung zu der Buchvorlage und lässt einen die Geschichte in einer etwas schnelleren Form erleben, da das Spiel auch nur gut 6-8 Stunden Spielzeit hat. Wer wiederum das Spiel gespielt hat und gerne mehr über das Universum rundum unseren neuen Lieblingszwerg erkunden möchte, der sollte definitiv zu den Büchern greifen, diese sind nämlich grandios. Das Spiel umfasst den ersten Band der fünfteiligen Saga. Wer also mehr erfahren möchte, hat noch genug Lesestoff vor sich.

Fazit: Ich finde das Spiel -ganz subjektiv mit einer rosaroten Fanbrille tragend- großartig. Ich vergöttere die Romane und fand es einfach super, meine Lieblingscharakter einmal in Aktion zu sehen. Ich kann aber auch nachvollziehen, wenn man mit diesem Spiel nichts anfangen kann, da es eben nur ein kleiner Titel mit nicht allzu viel Gameplay ist und mit Sicherheit seine Fehler hat. Im Großen und Ganzen sollte einen das aber als Heitz-Fan nicht abschrecken. Es ist ein guter Einstieg in die Saga und es vermittelt einem so ziemlich alles, was auch der erste Band “Die Zwerge” zeigen möchte, nur in einem kleineren Umfang.

Kleine Fun Facts:

  • Markus Heitz hat sogar einen ganz eigenen Charakter für das Spiel geschrieben, weil er selbst so sehr von dem Spiel überzeugt war.
  • Die Band Blind Guardian hat sogar eigens den Soundtrack “Children of the Smith” für die Zwerge performed – ziemlich cool und das Lied hat es auch noch in das Spiel geschafft

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3 comments

  1. […] Black Mirror ist das neuste Projekt von King Art Games, den Entwicklern von „Die Zwerge„. […]

  2. […] oder Fig Kampagnen sind dabei sehr einfallsreich. Wer damals die Buchinszenierung von die Zwerge (Review) unterstütze, konnte teils zwei Versionen bekommen oder wurde sogar am Ende im Abspann als Ork […]

  3. […] Nordic und King Art Games (die coolen Entwickler von “Die Zwerge” (Review) ) haben einen spoilerfreien Teaser zu Black Mirror herausgebracht, das am 28. November […]

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