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Guardians of the Galaxy Vol 2 – Gut weil bunt?

Ja, aber um ehrlich zu sein habe ich eigentlich, wie schon beim Vorgänger fest mit einem Flop gerechnet. Nicht weil ich die Comicvorlage kannte (ich lese schon lange keine Comics mehr), ich kein Vertrauen in James Gunn (vor Guardians habe ich noch nie etwas von ihm gehört) hatte, oder weil ich damals schon etwas gelangweilt von den Marvel Comicfilmen (gerade Iron Man 3 hat mich etwas vergrault) war.

Ich konnte mir einfach schwer vorstellen, dass ausgerechnet eine Comicverfilmung einer der besten Sci-Fi Streifen der letzten Jahre werden sollte. Und ja das war er, das konnte selbst Star Wars Episode VII oder der (in meinen Augen) gelungene Reboot von Star Trek nicht ändern.

Guardians war lustig und gerade akustisch voller Anspielungen auf die Jahre meiner Kindheit. Ich kann bis heute nicht sagen ob mich der Soundtrack oder der Humor schlussendlich mehr überzeugte. Aber mich haben auch schon andere Comic-Filme wie der allererste Iron Man oder Avengers überrascht, nur um mich dann bei der Fortsetzung mit einem langgezogenen Gesicht im Kinosaal zurück zu lassen.

Entsprechend skeptisch war ich auch bei Guardians Vols 2. Ja die Poster und Trailer deuteten wieder guten Humor an, es wirkte alles noch bunter und „80er“, aber das ist in meinen Augen noch keine gute Fortsetzung.

Entsprechend überraschte mich Hr. Gunn WIEDER mit seinem Werk. Nicht nur dass ich den Gegner dieses Mal richtig gut fand und eigentlich nicht erratet hätte (keine Angst werde ich euch nicht spoilern), der Film ging gleich die erste Stunde eine völlig andere Richtung als man es von einer Marvel-Fortsetzung erwarten könnte.

Statt am Anfang ein CGI-Gewitter auf euch los zu lassen (ja es kommen ein paar Effekte vor, die sind aber eher Nebensache und das sogar auf zwei Ebenen) und dann die Helden an sich bzw. an ihren Freunden zu zweifeln, macht es ihm einfach Spaß die Guardians erstmal Guardians sein zu lassen. Ja, man wirft sich ein paar Beleidigungen an den Hals, aber wo der Konflikt untereinander sonst IMMER im Mittelpunkt steht, ist es hier die Entwicklung der Charaktere.

Während Rocket und Yondu auf die harte Tour lernen müssen, auf sich alleine gestellt zu arbeiten, versucht sich Drax zusammen mit dem Neuzugang Mantis beim Verstehen von Emotionen. Peter und Gamora’s Egos bzw. Selbstbewusstsein wird auf harte Proben gestellt. Dabei kommt es zu allerhand interessanten, aber vor allem sau komischen Situation. Manchmal treiben sie es mit dem Humor sogar bis ins Lächerliche, was zusammen mit deutlicheren 80er Anspielungen, neben der Musik und einigen Gastauftritten vor allem bei Kinobesuchern meiner Generation für Freudestränen sorgen wird.

Jedoch kommen wir da ab dem letzten Drittel des Filmes auch zu einem der größten Kritikpunkte. Manchmal übertreibt es Gunn und so gehen einige emotional ergreifende Momente leider etwas baden, am ehesten vergleichbar mit einigen Stellen aus Ant-Man.

Auch die Action wird hier gerade zum Schluss oft zur Seite geschoben, wo sie eigentlich glänzen sollte. Gerade weil dieses Problem auch schon den Vorgänger begleitete, macht diesen Punkt etwas ärgerlicher. Dafür wird man gerade am Anfang in dieser Beziehung genug unterhalten, wird von einigen Momenten außerdem auch so überrascht, dass man da gerne darüber hinwegsieht.

Wer aber gerade deswegen schon mit Teil 1 seine Probleme hatte, wird auch mit der Fortsetzung nicht glücklich. Fans des Vorgängers werden jedoch nach genug MCU-Langeweile wieder positiv überrascht den Saal verlassen. Vermutlich sogar mit einem breiten Grinsen und diversen Lachern, wenn sie an ihre Lieblingssequenz im Film denken. Ich selber kann es kaum erwarten ihn nochmal zu sehen, nur um auch noch die letzten Anspielungen zu erhaschen.

Ebenfalls überraschend konnte mich die 3D-Umsetzung. Wird diese ja traditionell bei Marvel erst nachträglich hinzugefügt und ist dadurch eher „nett“, werden ausgerechnet bei Guardians Vol. 2 einige Szenen dadurch im Kino aufgewertet.

Nur ein Punkt macht mir im Nachhinein Sorgen: Ich kann mir kaum vorstellen wie die bunten, witzigen und harmonischen Guardians in einem vermutlich düsteren Avengers 3 passen sollen. Denn gerade nach Captain America Civil War wirken die Helden hier zu „comichaft“ im Vergleich zu den „Erdhelden“. Ich habe da fast die Angst, dass diese Filmreihe eher darunter leiden könnte, aber das sind Sorgen für Morgen.

Also seht euch den Film an, er ist das Ticket definitiv wert! Bleibt aber wirklich bis zum Schluss, denn gerade Kenner des Comics bekommen einige interessante Post-Credits Momente.

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