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The Last Guardian – Review

Wie fängt man am besten an? Ich habe es durchgespielt und sehr genossen. So vielleicht? Konnte es meine Erwartungen erfüllen? Wie spielt es sich? Ist es so gut wie Shadow of the Colossus? So könnte ich auf jeden Fall weiterschreiben. Die Einleitung hätte ich und wie geht es jetzt weiter? Ja, wie fing alles überhaupt genau an? Auf die Schwierigkeiten während der Entwicklung möchte ich nicht eingehen, das habe ich bereits in einem HYPE-Artikel beleuchtet. Klick mich. Also, schreiben wir ein Review zu einem Spiel auf das ich verdammt lange gewartet habe.

Spoilerwarnung. Natürlich werde ich nichts zur Story verraten, aber ich werde von meinen Erlebnissen und Erfahrungen berichten. Ganz ohne Schilderungen geht es da eben nicht. Wer also naiv, nackt und jungfräulich The Last Guardian spielen möchte, kann gerne und nach dem es gespielt wurde wieder vorbeischauen. 

Dann versuche ich mich mal … ihr seid ein namenloser Junge und wacht neben einem großen Biest auf. Trico ist verletzt und weil weder du ihm und er dir vertraut ist, ist der erste Kontakt eher feindlich – statt freundlich. Gewusst wie erfahrt ihr aber allmählich das Vertrauen und Trico lässt sich von euch helfen. Eine Freundschaft ist geboren. Gemeinsam sucht ihr den Weg aus eurer misslichen Lage und ein episches Abenteuer liegt vor euch.

Nach anfänglichen Kommunikationsschwierigkeiten verinnerlicht ihr die Steuerung und eure Befehle die ihr geben könnt. Nur ist Trico kein Wesen, das sich wie eine Spielfigur bei Mensch ärgere dich nicht oder einem Taktik-Shooter bewegen und befehligen lässt. Als aller erstes: Ihr braucht Zeit. Stellt euch also vor, ihr würdet eurem Hund Sitz beibringen. Das funktioniert eben nicht sofort, weil ihr denkt, das es sofort funktionieren muss. Sondern es funktioniert, weil ihr es immer und immer wieder übt. Weil ihr euren Vierbeiner lobt, wenn er etwas richtig gemacht hat. Und genau so verhält es sich auch mit Trico. Dieses Wesen lebt und es hat mitunter seinen eigenen Kopf. Zeit ist also wichtig und das schöne an dem Spiel ist, es gibt euch Zeit. Natürlich gibt es dramaturgische Momente, in denen gehandelt werden muss – in diesen Momenten konnte aber gerade Trico überzeugen.

Als nächstes möchte ich über die Steuerung und die Kamera sprechen, da wir ja gerade mehr oder weniger bei dem Stichwort Präzision angekommen sind. Da schwächelt das Spiel leider gelegentlich und ich verzeihe es ihm gerne. Aber warum? In anderen Titeln würde ich darüber meckern, fluchen und wohl möglich es als nicht spielbar empfinde. Ja, da könnt ihr nun denken – der Junge hat doch seine Fanboybrille auf, er ist gar nicht objektiv und er beurteilt Spiele wie es ihm gerade so passt. Heute so, morgen wieder anders. Dem kann ich mit einem nein widersprechen und kann sogar erklären warum. Ich weiß wie wichtig präzise Eingaben und schnelle Reaktionen in Videospielen sind. Sie sorgen oft dafür das ich weiter komme und am Ende gewinne. Anders ist es schließlich auch nicht bei The Last Guardian. Drücke ich die richtigen Tasten oder habe Tricos Aufmerksamkeit im richtigen Moment, dann gelingt vieles schneller und flüssiger. In diesem Punkt also alles wie gehabt. Der Pluspunkt ist auch hier aber wieder die Zeit. Ihr müsst nicht in hektischen Tastenkombinationen und Manövern ausarten. Das Spiel verzeiht euch, ganz einfach. Trico lässt sich eben nicht hinstellen. Es sucht, erkundet und schnüffelt. Es ist neugierig.

Gelingt ein Sprung nicht direkt, probiert ihr es nochmal. Versteht euch Trico erst nach dem fünften, sechsten oder siebten Kommando. Dann ist es eben so. Ich hatte immer einen Hund vor meinen Augen und in meinem Kopf. Das die Steuerung des kleinen Jungen träge ist und man sich daran gewöhnen muss – wenn man zuvor Titanfall 2 gespielt hat – ist absolut verständlich. Aber ist es deshalb ein Kritikpunkt? Nein. The Last Guardian will gar keinen Titanfall sein. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Gleiches gilt für die Tastenbelegung. Für uns im Westen etwas sonderbar, aber springen belegt die Dreieck- und Ducken die X-Taste. Das hat manchmal für etwas Frust gesorgt, weil ich dann doch wieder die falsche Taste gedrückt habe – aber von der Belegung macht es sogar Sinn. Dreieck ist oben und X unten. Fertig. Die Japaner spielen anders. Auch hier könnte wieder die böse Fanboybrille ausgepackt und als Argument missbraucht werden. Wieder ein nein von mir. Warum? Weil doch immer nach Spieleeinheitsbrei und nach Ideenlosigkeit geschrien wird. Warum also hier mosern und meckern? Muss denn immer alles angepasst werden? Kann man Dinge nicht auch mal hinnehmen und akzeptieren? Weil ihr dann doch lieber immer dasselbe und das gleiche spielt? Wahrscheinlich.

Nach dem der ein oder andere vielleicht aufgehört hat den Artikel zu lesen, möchte ich gerne die Präsentation und die Technik ansprechen. In meinem Hands On zu The Last Guardian habe ich selbst noch über nicht so schönen Texturen gesprochen. Da gibt es auch nichts zu rütteln. Die Texturqualität entspricht nicht unbedingt dem höchsten Standard. Wobei das auch in dem Fall nicht grundsätzlich gesagt werden kann. Der Gesamteindruck passt einfach. Und das jede Minute. Das Spiel ist abseits von Trico, der Geschichte und die Beziehung die sich inzwischen aufgebaut hat – wunderschön. Gerade dann, wenn ihr unter freiem Himmel seid und ein Turm neben dem anderen steht. Wenn der Wind weht, sich Tricos Gefieder bewegt, das Gras und die Bäume tanzen. Dann prahlt, protzt und glänzt es. Einfach dazustehen und zu beobachten, das habe ich oft getan.

Und neben der Optik ist der ganz große Held im Spiel Trico selbst. Ich habe noch nie in meinem ganzen Leben, eine so dermaßen lebendige Videospielfigur erlebt. Wenn es schüchtern und mit hängenden Schultern um die Ecke schaut, wenn es voller Glücksgefühle einen Sprint ansetzt. Wenn es niest, sich im Wasser wälzt und anschließend schüttelt. Wenn es einem Geruch auf der Spur und völlig hypnotisiert davon ist. Wenn es Angst hat, kämpft, schreit, springt und dich rettet. Es gab unzählige von diesen Momenten und alle haben mich fasziniert und noch tiefer in dieses Spiel gesogen.

Und all diese dramatischen wie auch ruhigen Momente werden musikalisch würdig untermalt. Das Theme hat sich längst in meinem Gehör verankert und läuft in Dauerschleife. Die Musik beschreibt und erzählt am besten von sich selbst.

Und wie finde ich das Spiel nun? Eine Antwort die mir nicht schwer fällt und sich wahrscheinlich denken kann. Großartig. The Last Guardian wird ein Klassiker und weder ich, noch die Videospielwelt hat das ganze Potenzial bisher entdeckt. In den nächsten Jahren werden mit Sicherheit viele Geheimnisse gelüftet, Entdeckungen gemacht und viele Geschichten dazu erzählt werden. Wie auch die anderen Spiele von Fumito Ueda wird es sich seinen Platz in den Herzen sichern und im Gegensatz zu einer Vielzahl von Videospielen – in Erinnerung bleiben.

Ob es auch dir gefällt? Wenn du dich zurücklehnen möchtest, dann ja. Wenn du etwas anderes spielen möchtest, dann ja. Wenn dir Shadow of the Colossus und Ico gefallen hat, dann ja. Wenn du dir nicht sicher bist, aber Interesse hast – dann probiere es einfach aus. Lass dich mitnehmen und erlebe eine große Geschichte und ein wunderschönes Abenteuer.

One comment

  1. […] zu Träge sein. Und ja, bei vielen anderen Spielen würde es zu einem Shitstorm führen – warum es aber bei The Last Guardian nicht der Fall ist erfahrt ihr ausführlich im Review. Mein Herz wurde […]

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