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Titanfall 2 – Review

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Zweieinhalb Jahre dauerte es, aber nun kommen endlich auch PlayStation 4 User in den Genuss der wohl frischesten Marke im First Person Shooter Genre. Als Anfang 2014 der Vorgänger exklusiv für PC, Xbox One und Xbox 360 erschien, wirkte es leider als würde er am Altar des Konsolenkrieges geopfert.

Aber wenn man über PR & Hype hinweg sah und Titanfall ein paar Minuten zockte, merkte man sofort, warum der Titel so viele Awards einheimsen konnte. Neben den Wall-Runs (vor Call of Duty) das wichtigste Element: Titans. Statt unfaire Killstreaks kam nun jeder an seinen Mech und nicht nur gute Spieler wurden so belohnt.

Aber es gab auch Schattenseiten. Gerade auf dem Vorzeigesystem Xbox One machte das OS einige Probleme (Party & Partychat) und das Balancing wirkte an einigen Stellen noch verbesserungswürdig. Das größte Ärgernis war jedoch die fehlende Kampagne, gerade in einer Zeit vor MMO’s wie Destiny oder TC’s The Division. Teil 2 wollte all die Fehler beheben. Ob dieses Vorhaben gelungen ist, lest ihr im Test:

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Ein Mann und sein Auto Mech

Nicht nur, dass Respawn endlich die lang fällige Kampagne nachlieferte, sie wischten trotz geringerer Mittel auch mal einfach so mit der ganzen Konkurrenz den Boden auf. Aber eines nach dem Anderen.

Das Spiel schickt euch durch ein Tutorial das so gut und frisch ist, dass es weiter ausgebaut ein eigener Modus hätte werden können. Nachdem euch die grundlegende Steuerung erklärt wurde, gibt es noch einen Parkour, bei welchem die Zeit mit läuft. Dieser wirkte wie eine Mischung der Challanges in Mirror’s Edge und dem Tutorial von Modern Warfare. Nur wer unter den ersten 3 landet bekommt auch die entsprechende Trophy!

Aber euer Alter Ego ist doch nur ein gewöhnlicher Infanterist, das Fußvolk verglichen mit den Titan-Piloten, welche quasi das Sci-Fi Gegenstück zu den Fliegerassen alter Tage darstellen. Aber keine Angst, zum Abschluss des ersten Levels stellt euch das Spiel schon einen Titan zur Seite.

Titanfall 2 bleibt aber im Kern ein First Person Shooter, also keine Panik, das ist keine Mech-Simulation! Den Großteil der folgenden ca. 7-8 Stunden ist man immer noch zu Fuß unterwegs. Dabei geht das Spiel so geschickt vor, ohne den Spieler ständig vor die Frage zu stellen „warum darf ich nicht meinen Titan steuern?“. Mal müsst ihr euch durch enge Untergrundtunnel kämpfen, mal spielt ihr Aufklärer in einem Gebäude während euer Titan draußen Wache schiebt und mal werden eure Wege unabsichtlich getrennt.

Leider ist die Handlung hier nicht immer so gut erzählt, wie es die Vorlage verdient hätte. Krieg zwischen den Menschen, ihr seid auf Seite der armen Kolonien, Söldner mischen auch mit. Da wäre mehr drin gewesen.

Dafür stimmt die Dynamik zwischen euch und eurem Titan BT (Kurzform von BT-7472) einem Prototypen, der verschiedene Loadouts und damit Spielstile annehmen kann. Die Dialoge wirken teils als kommen sie aus der Serie Knight Rider. Im direkten Vergleich zieht BT zwar den Kürzeren, hat aber eine ähnlich zynische Ader wie Vorlage KITT.

Damit ihr als Titan aber dann nicht zu übermächtig werdet, konfrontiert euch das Spiel immer wieder mit feindliche Titanen. Ab & an handelt es sich dabei sogar um einen echten Bossgegner. Leider sind diese erst am letzten Schwierigkeitsgrad wirklich fordernd, da sie ansonsten keine spezielle Taktiken verlangen. Auch hier wurde etwas Potential verschenkt verglichen mit reinen Singleplayer-Shootern ala Bioshock.

Auch ist die Kampagne kein Maß an Umfang, denn mehr als 8 Stunden werdet ihr dafür kaum benötigen. Dafür ist sie die wohl abwechslungsreichste die ihr die letzten Jahre in einem First Person Shooter findet konntet. Mal sind ganze Plattforming-Abschnitte zu absolvieren, mal müsst ihr in einer sich ständig ändernden Arena Gegnerwellen überleben, dann in einem größeren Bereich den richtigen Weg vom Start bis zum Ziel finden und einmal sogar dank einer größeren Überraschung völlig neue Spielmechaniken meistern, mehr sei aber hier nicht verraten.

Auch die Checkpoints sind immer fair gesetzt und Frust kommt so nur selten auf. Wer aber etwas mehr vom Spiel haben will, sollte definitiv die niedrigeren Schwierigkeitsgrade meiden, denn über fordernd geht die KI leider nie hinaus.

Sixty Frames per Second!

Wie nicht anders zu erwarten sind die 60fps den Entwicklern auch hier wieder wichtig gewesen. Im Vorgänger waren diese auch schon Pflicht, aber damals scheiterte Respawn noch an der betagten Source-Engine (Half-Life 2, Portal 2).

Erst jetzt haben sie diese voll in Griff: Kein Tearing, bombenfeste 60fps (selbst im Mehrspielermodus kommt sie nur selten in Bedrängnis), große Level und hübsche Optik.

Klar – ein Battlefield 1 oder teils sogar Call of Duty Infinite Warfare stellen Titanfall 2 vom Bombast her mal schnell in den Schatten, aber auch nur hier wird soviel Werte auf eine stabile Bildwiederholrate gesetzt.

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Zusammen mit der niedrigen Eingabelatenz führt dies dazu, dass sich kein Shooter dieses Jahr so schnell, so flüssig und trotzdem so kontrolliert anfühlt wie Titanfall 2. Selbst DOOM geht nicht so flott von der Hand.

Auch was den Sound angeht, kann sich Respawn’s Shooter sehen bzw. hören lassen. Zwar ist man hier noch weiter von der aktuellen Referenz Battlefield entfernt, aber gerade das akustische „Gefühl“ in einem Mech zu sitzen wird hier perfekt umgesetzt. Vor allem mit dem Bass arbeitet das Spiel gekonnt.

Mein Titan gegen deinen Titan

Ebenfalls gelungen ist Netzcode & die Verwendung von ded. Servner. Man verzichtet hier zwar auf einen Browser, bekommt aber mit den „Netzwerken“ aka Clans, der Party-Bildung, dem schnellen Match-Making und privater Matches fast alles was das Herz begehrt.

Aber bevor ich zu sehr ins Technische abdrifte: der Mehrspielermodus ist echt GENIAL! Ja auch ich habe nach der Alpha/Beta das Spiel völlig abgeschrieben. Aber leider wurde dort einfach nur der schlechteste Mix aus Karten, Waffen, Titans und Modi geboten.

Gerade Letzteres war eines der größten Plus-Punkte des ersten Teils und Titanfall 2 steht dem in nichts nach. In Materialschlacht geht es mit 5 Mitspielern gegen 6 Feinde UND KI-Kanonenfutter. Ja die Bots aus der Kampagne sind auch hier dabei, in verschieden starken Versionen und können euch in größerer Zahl schon mal Probleme bereiten, verhelfen aber großteils weniger begabten Spielern zu einfachen Abschüssen & damit Punkten. So bekommen auch diese ihre Titanen.

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Kopfgeldjagd kennt man schon aus der Beta. Die KI ist dabei die zu erledigende dritte Partei und die Punkte beim Ausschalten dieser sind an zwei Stellen auf der Karte abzugeben (Banken). Hier ist schon etwas mehr los, da die KI auch mit Titanen in die Schlacht zieht, darum auch nur jeweils 5 Spieler.

Ebenso gibt es einen traditionellen Team-Death-Match Modus mit Pilot vs. Pilot, wo Titanen nicht erlaubt sind. Auch Eroberung kennt man schon aus der Beta und ist quasi das Titanfall-Equivalent zum bekannten Modus aus Battlefield.

Aus dem Vorgänger kehren Last-Titan-Standing (jeder Spieler startet mit einem Titanen, der letzte Überlebende hat gewonnen), Flagge erobern (gerade dank der Mech’s interessant) und Frei für alle (jeder gegen jeden) zurück. Zusätzlich gibt es noch Mischformen dieser Modi.

Allen gleich ist das fantastische Balancing!

Die Waffen, welche man in der Kampagne bereits kennen gelernt hat sind hier wieder alle dabei und keine Einzige wirkt übermächtig! Ebenfalls perfekt wirken die einzelnen Titanen. Statt wie im Vorgänger die Auswahl auf 3 Typen zu beschränken (schwer, mittel, leicht), haben die Entwickler dieses Mal die Anzahl auf 6 sehr unterschiedliche Typen erweitert. Diese können zwar weniger als noch im Vorgänger angepasst werden, erlauben jedoch mehr Spielarten ohne gleichzeitig eine davon zu bevorzugen. Der schnelle und leicht gepanzerte Northstar ist mit seiner Railgun der Scharfschütze, mit dem es gilt direkte Konfrontationen zu vermeiden, Ronin-Spieler sollten dagegen aufgrund der Nahkampffähigkeiten auf Tuchfühlung gehen, während Legion-Spieler dafür gemacht sind die Schläge für das Team einzustecken.

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Dabei ladet ihr sogar eine Art Superfähigkeit auf, welche euch schon mal aus besonders gefährlichen Situationen retten kann. Northstar feuert z. B. aus der Luft (wo er im Nahkampf schlechter zu treffen ist) zahlreiche Raketensalven ab, Ronin greift zum Schwert und Legion aktiviert ein Autozielsystem, das vor gegen kleinere Ziele effektiv ist.

Es gibt sogar die Titan-Version von Nahkampfkills. Rechtzeitig auf die entsprechende Taste gedrückt und euer Mech macht dem Gegner stilsicher das Licht aus.

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Das Spiel wäre aber nicht fair, wenn es euch als Pilot hilflos lassen würde. So könnt ihr durch das intelligente Kartendesign immer wieder an genug Stellen in Gebäude flüchten, wer mutiger ist kann auf dem eigenen Titanen mit“reiten“, oder sogar einen Gegnertitanen „entern“ und dort die Batterie entfernen. Diese kann einem der eigenen Titanen eingesetzt werden, wo sie als begrenzter Boost und Schild fungiert.

Weitaus gefährlicher sind aber die Anti-Titan-Waffen der Piloten. Vor allem der Granatwerfer macht geschickt eingesetzt schon mal Kleinholz aus einem gegnerischen Mech. Vorausgesetzt der lässt sich ohne viel Gegenwehr „bearbeiten“.

Dabei wurde allerhand Freischaltbares wie Tarnmuster für Waffen & Titanen, Banner, Abzeichen, kurzfristige Boosts usw. nicht vergessen. Hier bietet das Spiel ähnlich viel wie die Call of Duty-Reihe, ohne sich dabei aber mit Micro-Payments bei den Aktionären anzubiedern.

Für Langzeitmotivation ist also gesorgt. Und damit bleibt mir nur noch zu sagen:

KAUFEN! Ihr bekommt vermutlich nicht mehr so schnell für so wenig Geld einen so guten Shooter wo off- & online ALLES stimmt, euch also lange begeistern kann. Und da ohne ständig die Hand aufzuhalten für Kleinkram oder einen teuren Season-Pass. Jeder der nur das geringste Interesse an Setting & Gameplay hat, sollte bei Titanfall 2 zugreifen!

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